Die "Kundschaft" von Wöhrer und seinen Kollegen hat sich jedenfalls stark internationalisiert, wobei das nicht nur der EU geschuldet ist. Der Anteil ausländischer Tatverdächtiger liegt heute doppelt so hoch wie 1995, bei etwa 40 Prozent. Und noch etwas hat sich verändert: der Respekt gegenüber der Polizei. Obwohl in den wilden Jahren Wiens ein "Widerstand gegen die Staatsgewalt" nur selten Bestand hatte, die Polizisten heute besser geschützt sind, steigt die Zahl der verletzten Beamten stetig. Johann Wöhrer ist davon verschont geblieben. In 44 Jahren wurde er kein einziges Mal verletzt.

Heinz Peter Krammer, Stegersbach

Seit fast 20 Jahren ist Heinz Peter Krammer Bürgermeister von Stegersbach. - © Rosner
Seit fast 20 Jahren ist Heinz Peter Krammer Bürgermeister von Stegersbach. - © Rosner

Wer in der Erde nach Öl sucht und Wasser findet, hat nicht gerade den Jackpot geknackt. Retrospektiv betrachtet waren die Probebohrungen vor rund 40 Jahren in Stegersbach aber durchaus Gold wert. Zwar nicht für die "Österreichische Mineralölverwaltung", die damalige ÖMV, wohl aber für die Gemeinde. Rund eine Viertelmillion Thermenbesucher jährlich entspannen in den warmen Quellen Beine, Rücken und Seelen.

Seit fast 20 Jahren ist Heinz Peter Krammer Bürgermeister von Stegersbach. An den Wänden seines Büros zeugen Fotos von sportlichen Erfolgen hiesiger Mannschaften, der Volleyballerinnen, der Fußballer, vor allem aber der besten Inline-Hockeymannschaft Österreichs, der Tigers Stegersbach. Die Fotos wären wohl nie geschossen worden, hätten vor 24 Jahren nicht zwei Drittel der Österreicher für den EU-Beitritt gestimmt. Gut möglich, dass auch Krammer nicht vier Mal in seinem Amt bestätigt und dabei jeweils mit absoluter Mehrheit ausgestattet worden wäre. Und vermutlich wäre auch das in Lilatönen gehaltene Gemälde über seinem Schreibtisch, das sich dem Golfsport widmet, nie gemalt worden.

Kunstpreise wird das Bild zwar nicht mehr gewinnen, doch es symbolisiert den Wendepunkt für Stegersbach in seiner Entwicklung zu einer florierenden Tourismusgemeinde. Und am Anfang war eben Golf, also konkret der Bau einer großen Golfanlage. Obwohl das damals, knapp nach dem EU-Beitritt, für die Menschen in Stegersbach eine ähnliche Enttäuschung war wie der Thermalwasserfund für die OMV.

"Die Gemeinde ist geprägt von Landwirtschaft und Gewerbe, mit Golf hatte sie nichts zu tun. Darum war die Bevölkerung dagegen", erzählt Krammer. Jahrelang hatte sie neidvoll ins nahegelegene Bad Waltersdorf und nach Loipersdorf geblickt, wo bereits Thermen entstanden waren. Doch in Stegersbach passierte jahrelang: nichts. Und als dann doch ein Projektbetreiber kam, wollte der nur einen Golfplatz bauen.

Gefragt wurde die Bevölkerung damals, in den 90ern, aber nicht. Was, rückblickend, ein Glück war. "Heute wäre das unmöglich", sagt Krammer. Projekte dieser Größenordnung sind ohne Einbindung der Bewohner nicht mehr zu realisieren. Doch vor gut 20 Jahren war die politische Kultur noch eine andere, die Menschen grummelten zwar, gründeten aber nicht gleich eine Bürgerinitiative. Und der Golfplatz wirkte. Nur wenige Jahre später wurde die Therme doch gebaut, dazu nach und nach eine Hotellandschaft mit heute 1200 Betten.