Elf Jahre lang war das Burgenland ein sogenanntes "Ziel-1-Gebiet" der EU. Fast eine Milliarde Euro aus EU-Förderungen flossen in das damals nur schwach entwickelte Bundesland. Investoren erhielten für ihre Projekte ein Drittel der Kosten als nicht rückzahlbare Zuschüsse aus Brüssel, Bund und Land zahlten mit. "Machbarkeitsstudien wurden teilweise zur Gänze von der EU finanziert", erzählt Krammer. Der Tourismus sei auch die einzige Möglichkeit für die wirtschaftliche Entwicklung der Region gewesen, sagt der Bürgermeister: "Wir haben nie Industrie gehabt."

Der Strukturwandel hatte schon vor Jahrzehnten die Männer zu Wochenpendlern gemacht. "Die Frauen bewirtschafteten den Hof, die Männer fuhren am Montag nach Wien zur Arbeit und kehrten am Freitag zurück. Auch bei Krammers Familie war es so. Die Mutter daheim, der Vater, ein gelernter Bäcker, am Bau in Wien. Es war ein hartes Leben und unfassbar viel Arbeit. Im Jahr 1980 lag die Lebenserwartung der Menschen im Burgenland durchschnittlich drei Jahre unter jener der West-Österreicher, nirgendwo wurde früher gestorben. Das hat sich deutlich gebessert, die Differenz hat sich auf ein Jahr reduziert.

Krammer gehört jener Generation an, die dieses Leben nicht mehr führen wollten. Er machte die Matura und begann beim Verkehrsbetrieb Südburg zu arbeiten. Er wurde erst Fahrdienstleiter, dann Betriebsleiter, heute ist er Geschäftsführer. Er organisiert das Pendeln, das nach wie vor hier verbreitet ist. Aber auf Tagesbasis. Formal ist auch Krammer selbst ein Pendler, da sein zweites Büro (neben dem Stegersbacher Rathaus) in Oberwart liegt. Das ist zwar nahe, aber bereits die Hauptstadt des Nachbarbezirks.

Ohne das Thermalwasser, die Förderungen, die Investitionen und die Hotelbauten wäre für die Gemeinde ein weiteres Problem hinzugekommen: Abwanderung. Vor dem EU-Beitritt war sie bereits Realität, die Bevölkerung schrumpfte. Seither wächst sie wieder. "Die Therme hat direkt 600 Arbeitsplätze geschaffen, dazu viele bei Zulieferern. Und es ist Infrastruktur gebaut worden." Stegersbach hat in Straßen, Abwasserleitung und Wasseraufbereitung investiert, hat Sportstätten errichtet und konnte im Jahr 2008 die Fußball-Nationalmannschaft während der Euro bewirten. Rund eine Million Euro nimmt die Gemeinde an Kommunalsteuer ein, das ist beachtlich. Zum Vergleich: Das gleich große Wiesen bei Mattersburg nimmt jedes Jahr 160.000 Euro an Kommunalsteuer ein.

Die verbesserte Einnahmensituation bietet Stegersbach nun auch Möglichkeiten der Weiterentwicklung. "Wir haben noch große Aufgaben", sagt Krammer. "Wir sind keine Bauerngemeinde mehr, sondern eine Tourismusgemeinde." Und eine solche hat auch andere Vorstellungen, was das Ortsbild betrifft. Die Hotels, die Therme und die Golfplätze liegen etwas abseits und erhöht, ins Ortszentrum kommen nur wenige. Allerdings bietet das auch zu wenig für anspruchsvolle Gäste. Also wird weiter investiert, um Therme und Dorf stärker in Kontakt treten zu lassen. Das könnte dann wieder Geschäftsleute anziehen und Gastronomen und die Attraktivität für Besucher und Bewohner erhöhen.