Auch wenn das Burgenland kein "Ziel-1-Gebiet" mehr ist und es keinen privilegierten Zugang mehr zu Förderungen aus Brüssel gibt, unterstützen EU-Mittel nach wie vor. Die aktuelle Förderperiode läuft 2020 aus, schon jetzt wird die neue Periode verhandelt. Österreichs Regierung will künftig nicht mehr Geld nach Brüssel schicken, obwohl Großzahler Großbritannien die EU verlässt. Die Kehrseite: Das würde man wohl auch in Stegersbach spüren.

Martina, Nitra/Wien

In Wien hat sich wahnsinnig viel verändert. Wie ich hergekommen bin, war die Stadt nicht so voll", sagt Martina. - © Rosner
In Wien hat sich wahnsinnig viel verändert. Wie ich hergekommen bin, war die Stadt nicht so voll", sagt Martina. - © Rosner

Nitra, irgendwann im Jahr 2004. Es war das Jahr, als die Slowakei sowie neun andere Länder im Norden, Osten und Süden Europas der EU beitraten. Martina, 23 Jahre alt, kündigt ihren Job in einem Produktionsbetrieb in der Slowakei, fährt nach Hause, packt ihre Sachen, am nächsten Tag ist sie in Wien. "Meine Mutter hat sich schon Sorgen gemacht."

Auf die Idee mit Wien hatte Martina damals eine Freundin gebracht, die in einem Restaurant arbeitete und über das Leben hier berichtete. Deutsch konnte Martina zwar überhaupt nicht, aber "ein Kellner braucht nur ein paar Sätze, grüßt und nimmt die Bestellung auf", erzählt sie. Und man lernt natürlich.

"Einmal hat jemand eine Leberkäsesemmel mit Senf bestellt. Ich wusste aber nicht, was Senf ist, ich kannte nur Ketchup."

Wien war etwas Neues für sie, eine Großstadt. "Ich habe mich anfangs verlaufen", sagt sie. "Und eigentlich mag ich gar keine Großstädte." Der Verdienst, die Möglichkeiten waren in Wien aber andere, bessere. Andererseits war da das Heimweh. "Die Familie hat mir gefehlt, auch das slowakische Essen. Ich habe hier nur Pizza gegessen." Nach zwei Jahren ging Martina wieder zurück nach Hause. "Aber dann war mir dort nur fad." Also wieder Wien.

Martina war früh dran, quasi eine Pionierin. Sie arbeitete in verschiedenen Jobs in der Gastronomie, im Service, der Küche, in einem Hotel sogar als Zimmerdame. Fast immer war sie zufrieden mit ihrer Stelle, den Kollegen und der Bezahlung. Als 2011 die Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen Mitgliedsstaaten zur Gänze fielen, wuchs dann Wien immer schneller, seit damals um rund 250.000 Menschen, oder, anders formuliert: um Graz.

Der Großteil davon betrifft Zuwanderung aus anderen EU-Staaten, vor allem aus Deutschland, Ungarn, der Slowakei sowie zuletzt aus Rumänien und Bulgarien. In der Gastronomie ist diese Gruppe nicht mehr wegzudenken. Noch 2008 waren in dieser Branche 3000 Personen aus anderen EU-Staaten in Wien unselbständig beschäftigt, zuletzt waren es 10.000, also mehr als das Dreifache. Dennoch ist die Zahl der österreichischen Beschäftigten kaum gesunken, es hat also eine massive Ausweitung des Angebots gegeben. Und das ist auch nicht zu übersehen auf Wiens Straßen.

Diese Dynamik stellt die Stadt aber auch vor große Herausforderungen. Im Stadtentwicklungsplan 2005 wurde selbst beim Extremszenario geschätzt, dass Wien im Jahr 2020 etwas über 1,75 Millionen Einwohner zählen würde. Das Jahr 2020 ist noch immer nicht erreicht, doch die Hauptstadt steuert bereits jetzt zielsicher auf 1,9 Millionen Einwohner zu.