In Wien hat sich wahnsinnig viel verändert. Wie ich hergekommen bin, war die Stadt nicht so voll", sagt sie. Es gebe viel mehr Ausländer, auch Menschen mit anderer Hautfarbe wären ihr vor zehn Jahren nicht so viele aufgefallen. "Vielleicht war es früher langweilig, jetzt ist es aber vielleicht schon übertrieben", sagt sie.

Auch für sie persönlich hat sich einiges geändert seither. "Alles ist so teuer geworden, aber die Stundenlöhne sind gleich geblieben." Mehrmals ist sie innerhalb von Wien umgezogen, auf dem privaten Markt könne sie sich heute aber keine Wohnung mehr leisten, meint sie, vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen. Seit neun Jahren ist Martina alleinerziehende Mutter, das hat vieles verändert und einiges erschwert.

Als Martina damals in Karenz gehen wollte, zeigte sich, mit welchen Schwierigkeiten Menschen konfrontiert werden, wenn sie ihr Recht auf Freizügigkeit wahrnehmen. Um das Karenzgeld zu beantragen, braucht es eine Geburtsurkunde des Kindes – logisch. Das Kind wurde in Wien geboren, allerdings ist die Staatsbürgerschaft des Kindes, wie jene der Mutter, slowakisch. Sie musste also die Geburtsurkunde von einem Übersetzungsbüro ins Slowakische übersetzen lassen, um dann auch eine slowakische Geburtsurkunde zu erhalten. Und diese musste dann wieder zurückübersetzt werden, damit die österreichischen, fürs Karenzgeld zuständigen Behörden, dieses genehmigen. Und natürlich musste die Übersetzung ein anderes, in Österreich akkreditiertes Büro tätigen. Eine kafkaeske Episode.

Als EU-Bürgerin darf Martina grundsätzlich nicht schlechtergestellt sein als österreichische Staatsbürger. So hat sie auch nach einiger Zeit eine Gemeindewohnung beziehen können, in der sie nun mit ihrem Sohn wohnt. Das hat das Leben für sie erleichtert. Doch sie hat derzeit keine Arbeit mehr und sucht seit geraumer Zeit eine neue Stelle, würde sich auch gerne weiterbilden. Am Tag des Interviews hatte sie bei der Arbeitsmarktberatung der Caritas einen Termin vereinbart. Auch das ist Wien. Das Arbeitskräfteangebot ist in den vergangenen Jahren noch stärker gewachsen als die Nachfrage.

Und in der Gastronomie, in der Martina bisher gearbeitet hat, wird meistens eine Anwesenheit am Wochenende verlangt, was für eine Alleinerzieherin aber kaum zu organisieren ist, zumal die Familie noch in der Slowakei ist. Eine Freundin hat zwar geholfen, doch Martina würde am liebsten in einen technischen Beruf wechseln.

Und wenn sie nichts findet? Zieht sie weiter? "Wenn, dann nur zurück in die Slowakei. Aber dort ist es auch so teuer geworden, und die Gehälter sind noch viel niedriger."

Und dann ist da noch etwas. Mittlerweile hat Martina aus Nitra nicht ganz die Hälfte ihres Lebens in Wien verbracht. "Ganz ehrlich. Wien ist für mich jetzt so etwas wie meine Heimatstadt geworden."