Manfred Kainz, Stainz

Auf die Idee, Berater für den optimalen Einsatz von Werkzeugen zu werden, kam Manfred Kainz noch vor dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. - © Rosner
Auf die Idee, Berater für den optimalen Einsatz von Werkzeugen zu werden, kam Manfred Kainz noch vor dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. - © Rosner

Es sind die Tage der "Intertool", einer Messe für Fertigungstechnik der Metallindustrie. Manfred Kainz sitzt vor einer größeren Maschine, in der zu Schauzwecken ein Metallteil gefräst wird. Das schrille Geräusch fährt einem direkt in die Wirbelsäule. Vermutlich hören sich so auch diese riesigen Bohrer beim Zahnarzt an, die hoffentlich nur zur Abschreckung dort hängen. Kainz horcht kurz auf, er sagt schwärmend: "Das ist Musik in meinen Ohren."

Dazu muss man verstehen, dass Manfred Kainz ein Unternehmen aufgebaut hat, das Fertigungsbetriebe darin berät, welche Werkzeuge sie am besten kaufen sollen. Seine Firma serviciert sie auch und unterstützt sie, den Verschleiß so gering wie möglich zu halten und effizient zu produzieren. "Wir helfen den Kunden, ihren Profit zu erhöhen", sagt Kainz. Wenn irgendwo irgendwas gefräst wird und das schrille Geräusch durch die Werkshalle tönt, denkt Kainz also auch ans Geschäft.

Seine Firma TCM (Tool Consulting & Management) trägt auch das Beiwort "International" in ihrem Namen. Kainz ist in rund 30 Ländern tätig, darunter in fast einem Dutzend EU-Staaten. Sein Betrieb beschäftigt weltweit 500 Menschen, mehr als 100 arbeiten am Firmenstandort in Stainz, einer Marktgemeinde im Bezirk Deutschlandsberg, etwa eine halbe Autostunde vom Grazer Zentrum entfernt.

Durch die Verwendung der optimalen Werkzeuge und deren Servicierung können die Produktionsbetriebe, viele aus der Automobil- und Zuliefererbranche, ein paar Prozent einsparen, ein paar Euro pro produziertem Teil gehen davon an TCM. "Mir ist gar nichts anderes übriggeblieben als zu internationalisieren", sagt Kainz. Es sollte daher nicht verwundern, dass sich bei der Erwähnung der Europäischen Union ein Leuchten in den Augen des Unternehmers einstellt wie beim Genuss seiner, nun ja, "Lieblingsmusik".

Vor Jahrzehnten war die steirische Wirtschaft noch geprägt von der Schwerindustrie im Mur-Mürztal. Sie bot zigtausenden Menschen Arbeit, doch sie war in erster Linie Grundstofflieferant. Andere Länder konnten günstiger produzieren, und so verlor diese Industrie nach und nach an Bedeutung. "Wir hatten keine Wertschöpfungskette", erzählt Kainz, der Mitte der 80er-Jahre mit seiner Frau den Werkzeughandelsbetrieb, den sein Großvater gegründet hatte, übernahm.

Die Steiermark schaffte einen bemerkenswerten Strukturwandel, für die exemplarisch der Mobilitäts-Cluster mit fast 300 Unternehmen, einem Gesamtumsatz von mehr als 15 Milliarden Euro und einer außergewöhnlich hohen Exportquote steht. "Der Bezirk Deutschlandsberg war nirgends", sagt Kainz. Dann kam 1995 der EU-Beitritt, heute hat der Bezirk das dritthöchste Pro-Kopf-Einkommen in der Steiermark. Etwa die Hälfte der Wertschöpfung sind dem produzierenden Gewerbe und der Industrie zuzurechnen. "Das wäre ohne Europa nie gelungen", sagt Kainz.