Auf die Idee, den Einsatz von Werkzeugen zu optimieren, kam er noch vor dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. Kainz hatte erst nach Ungarn expandiert, auch nach Polen. An einem Beispiel erzählt er, welche Bedeutung die Europäische Integration für einen Unternehmer wie ihn hat. "Es kann sein, dass wir mit einem Werkzeug sehr schnell nach Polen fahren müssen. Da darf man nicht an der Grenze stehen." Nur wegen der EU, da ist sich Manfred Kainz sicher, "waren wir in der Lage, so zu wachsen". Und dieses unternehmerische Urbedürfnis stand auch zu Beginn seiner Tätigkeit: größer werden, stetig wachsen. Aber nicht nur des Selbstzwecks wegen: "Das Wichtigste sind die Arbeitsplätze", sagt er.

Fast gleichzeitig mit dem EU-Beitritt begründete sich der steirische Mobilitätscluster (damals: Autocluster Steiermark), Kainz war sein erster Geschäftsführer. Von 60 Unternehmen ist er mittlerweile auf rund 300 angewachsen, sie bieten 55.000 Menschen eine Beschäftigung. Die Vernetzung der Unternehmen, die gemeinsame Vermarktung erwiesen sich als goldene Idee, zumal der Cluster eine Schnittstelle zu Bildung und Forschung stellt.

Manfred Kainz wischt ein paar Mal über sein Tablet. Dann hat er die gesuchte Grafik gefunden. Und wieder leuchten die Augen. Und diesmal liegt es nicht an der Metallfräse, auch wenn diese noch immer schneidet und schrillt. Die Grafik zeigt die Quoten für Forschung & Entwicklung von Regionen in Eu-

ropa. Ganz rechts ist das steirische Wappen zu sehen, mit einer Quote jenseits der fünf Prozent. Dann kommt länger nichts. Die Steiermark liegt mit Abstand auf Platz eins.

Auch dazu hat die EU verholfen. Bei der Schaffung des Technologiezentrums TEZ, das gleich neben dem TCM-Firmenstandort liegt, halfen auch EU-Fördermittel mit. Seine Aufgabe ist es, neue Betriebe anzusiedeln, 25 sind es schon geworden. Und hier wird auch in Kooperation mit Forschungseinrichtungen angewandte Entwicklung betrieben. Kainz investiert aber auch direkt in die Ausbildung von Mitarbeitern, zahlt Stipendien und ermöglicht ein gleichzeitiges Studium neben der Arbeit im Betrieb.

In der steirischen Industrie gibt es einen regen Wettbewerb um Fachkräfte, seit Jahren begleitet auch der Begriff des Fachkräftemangels die politische Debatte. Kainz hatte es sogar für einige Jahre in die Politik gezogen, er war Landtagsabgeordneter der ÖVP, dann ging er aber vorzeitig. Er war gegen die Gemeindefusionen der Landesregierung. Beim Thema Fachkräftemangel lächelt der Unternehmer nur milde. "Wissen Sie", sagt er, "schon mein Großvater hat immer geklagt, man bekomme keinen g’scheiten Leut." Dank der EU steht den Betrieben in der Steiermark theoretisch der gesamte EU-Arbeitsmarkt zur Verfügung. Freilich, die spezifische Ausbildung ist nicht überall auf dem österreichischen Niveau. Dennoch beschäftigt auch TCM Arbeitskräfte aus Ungarn, Polen, Deutschland, sogar aus dem Iran, wo das Unternehmen ebenfalls tätig ist. Auf der anderen Seite sind auch Österreicher für TCM ins Ausland gegangen.

Die Europäische Integration hat Manfred Kainz dabei geholfen, seinen Traum zu verwirklichen, zu wachsen, Menschen Beschäftigung zu bieten. "Das Schönste ist", sagt Kainz, "dass ich als geborener St. Josefer, der links und rechts Scheuklappen hatte, kaum Englisch konnte, die Welt gesehen habe, dass ich mich so toll entwickeln konnte." Er erzählt von seinen Reisen rund um den Globus, von seinen Treffen mit indigenen Völkern in Brasilien und Australien, seiner Faszination für den Iran, seinen Freundschaften zu Vertretern aller Glaubensgemeinschaften. "Ich fahre heute durch Europa, ich muss kein Geld wechseln. Ist das nicht fantastisch?"