Diese erstreckt sich rund um den Schuman- und den Luxemburg-Platz. Hier wird vor allem gearbeitet; am Wochenende leeren sich die Straßen. Die auf Mittagsmenüs spezialisierten Restaurants schließen bereits am Nachmittag. In jenen, die auch am Abend geöffnet haben, sind oft dieselben Gäste zu sehen, mit bereits gelockerter Krawatte, aber weiter geschäftig gestikulierend. Die letzten zwei Beisln unweit der Kommission, die an zwei gegenüberliegenden Ecken mit ihrem schmuddeligen Charme auch Belgier angezogen haben, wurden geschlossen, weil die Miete zu hoch wurde. Nach Neuübernahme und Renovierung überwiegt das EU-Publikum.

Zehntausende EU-Beamte aus 28 Ländern sind in Brüssel tätig, daneben beschäftigen Niederlassungen diverser Firmen, Nichtregierungsorganisationen und andere Lobbying-Agenturen weitere zehntausende Menschen. Die Assistenten und Praktikanten des EU-Parlaments bevölkern am Donnerstag-abend die "Place Lux". Die Bars rund um den kleinen Platz sind dann brechend voll; getauscht werden Informationen, Visitenkarten und einladende Blicke.

Brüssel ist die Hauptstadt der EU-Bürokratie. Hier werden Gesetze für die gesamte Union entworfen; hier lässt sich Einfluss darauf nehmen, wie diese Regelungen aussehen sollen. Das versuchen Wirtschafts-, aber auch andere Gruppen. In Brüssel kommt viel Wissen zusammen, aber es reiben sich gleichzeitig unterschiedliche Ideen dazu, in welche Richtung sich die EU entwickeln sollte. Hier treffen Minister und Interessensvertreter aufeinander, ebenso die EU-Staats- und Regierungschefs, seitdem ihre regelmäßigen Gipfel nicht mehr im jeweiligen Vorsitzland stattfinden. Dessen Rolle ist sowieso eingeschränkt, und so wird auch Österreich in dieser Funktion höchstens ein paar eigene Akzente setzen, ansonsten muss es die laufenden Debatten moderieren. Dabei kann es aber freilich auf die gut eingespielte Brüsseler Maschinerie zurückgreifen.

Diese verknüpft dann in der belgischen Hauptstadt die Bürokratie, die Expertise, die Wunschvorstellungen, die Politik. Und an manchen Orten bricht die EU-Blase auf, vermischt sich mit anderen Brüsseler Welten. Ein solcher Ort sind die Wochenmärkte, von denen jedes Viertel einen hat. Zwischen den Ständen, an denen Belgier mit dem Verkäufer plaudern, den sie seit Jahren kennen, schlürfen Italiener an Stehtischen leichten Weißwein, suchen Marokkanerinnen Gemüse aus, schlendern Österreicher mit dem Gast, der gerade aus Wien zu Besuch gekommen ist. Auch dieses Gewirr ist so typisch für die Stadt, die einfach nicht geordnet sein will.