Geeinigt hat man sich jedenfalls darauf, dass der EU-Austritt Großbritanniens Ende März 2019 über die Bühne gehen soll. Die Gespräche über den Austrittsvertrag müssten dafür freilich bis Oktober abgeschlossen sein, damit kommt dem österreichischen EU-Vorsitz bei den finalen Verhandlungen eine besondere Bedeutung zu. Geeinigt hat man sich auch darauf, dass es nach dem Brexit eine Übergangsfrist von 21 Monaten geben soll. Der "Telegraph" berichtete zuletzt, dass man in London darüber diskutiere, die Übergangsphase um zwei Jahre zu verlängern. Die britische Regierung befürchte, dass der bisher vereinbarte Zeitraum nicht ausreichen werde, um sich mit der EU über neue Handelsbedingungen zu einigen.

Innere Uneinigkeit

Das Hickhack um den Brexit, die Rückzieher der Regierung und der Zeithorizont, der sich immer weiter nach hinten verschiebt, sorgen für Ärger. Die "Brexiteers" wollen, dass es endlich losgeht, man ist genervt von den zähen Verhandlungen und den fehlenden Erfolgen auf dem diplomatischen Parkett. Dazu kommt, dass man sich innerhalb der britischen Regierung über den Brexit-Kurs nicht einig ist. Das Kabinett May schwankt zwischen lautstarken Ansagen von Hardlinern wie Außenminister Boris Johnson oder Brexit-Minister David Davis und Kompromissangeboten von EU-freundlicheren Politikern wie Schatzkanzler Philip Hammond. Dazwischen versucht die Premierministerin, den Karren irgendwie aus dem Dreck zu ziehen. Kein erhebender Anblick für Brexit-Fans, die Fremdbestimmung loswerden und wieder Herr im eigenen Haus sein wollten. Der Traum der Austrittsbefürworter, alle EU-Fesseln abzuschütteln und künftig als Steueroase Geschäfte und Investitionen aus aller Welt anzulocken, dürfte kaum in Erfüllung gehen. Die EU-feindliche Partei Ukip hat es längst zerbröselt, Ex-Parteichef und Brexit-Hardliner Nigel Farage trommelt unverdrossen für einen schnellen Bruch ohne Übergangsfrist. Das Vereinigte Königreich habe nicht den Wunsch, "ein Vasallenstaat zu sein", wettert seine britische Gesinnungsgenossin Diane James im EU-Parlament.

In den mittelenglischen Industriestädten, wo 2016 die Zustimmung zum Brexit am größten war, ist man verstimmt. Die "einfachen Leute", die oft genug von Arbeitslosigkeit bedroht sind und gerade so über die Runden kommen, halten die EU für einen Abzocker-Verein und May für völlig inkompetent. Mittlerweile dämmert manchem, der für den Brexit gestimmt hat, dass die Zuwanderung vom Kontinent nicht einfach abgewürgt werden kann, wenn dadurch britische Krankenhäuser, britisches Gastgewerbe, britische Landwirtschaftsbetriebe ins Trudeln kommen. Spediteure erfahren, dass ihnen in Dover endlose Schlangen drohen, wenn an den Grenzen keine versöhnliche Regelung gefunden wird. Wirtschaft und Finanz haben seit eh und je gewarnt, dass jede scharfe Absetzung von der EU gefährliche Folgen hätte.

Es mangelt aber an Alternativen. Außenminister Johnson, der erzkonservative Hinterbänkler Jacob Rees-Mogg und Labour-Chef Jeremy Corbin seien Narren, hört man hier. Laut Meinungsumfragen halten 44 Prozent die Politik ihrer Regierung für chaotisch, nur noch 29 Prozent glauben, ihnen werde es nach dem Brexit besser gehen.