Trotzdem ist fraglich, ob eine weitere Abstimmung über einen Austritt aus der EU anders ausginge als vor zwei Jahren. Die wirtschaftlichen Einbrüche waren bisher noch nicht so einschneidend, dass sie ein Umdenken im großen Stil ausgelöst hätten. Politologen weisen immer wieder darauf hin, dass für die Briten der Verbleib im gemeinsamen Binnenmarkt zwar wichtig sei, wichtiger sei aber der Erhalt der vollen Souveränität über die Immigration. Die Vorstellung vieler EU-Befürworter auch im Rest Europas, dass die "Brexiteers" nun reumütig zu Kreuze kriechen würden, erfüllt sich nicht. Außerdem ist der Weg zurück ohnehin versperrt: "Das britische Volk hat entschieden, die EU zu verlassen. Und das werden wir am 29. März 2019 tun", hat May bei mehr als einer Gelegenheit klargemacht.

Wirtschaftlicher Abschwung

Unterdessen vollzieht sich der wirtschaftliche Abschwung. Schrittweise und langsam, aber doch. Das Wachstum der britischen Industrie ist laut Firmenumfragen auf den niedrigsten Stand seit 17 Monaten gefallen, die Stimmung in der Wirtschaft trübt sich ein. Die Wachstumsrate werde sich gegenüber dem Vor-Referendum-Jahr 2015 halbieren, prognostiziert die OECD. Lediglich um 1,2 Prozent soll die britische Wirtschaft 2018 zulegen – einen Prozentpunkt weniger als die Eurozone. Die Inflation zieht an, das Pfund ist schwach, die Einzelhandelsumsätze sind zuletzt geschrumpft. Die Unternehmen halten sich bei Investitionen zurück – wer weiß, ob man künftig noch in die kontinentalen Wirtschaftsstrukturen eingebunden sein wird?

Und gerade das wäre wichtig in einer Welt, die zusehends zersplittert, in konkurrierende Blöcke zerfällt, in der wirtschaftliche Barrieren wieder hochgezogen werden. Und in der, US-Präsident Donald Trump sei Dank, wieder verstärkt mit dem Säbel gerasselt wird.