Zu Beginn steht eine Diskussion zu aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten auf der Agenda. Es ist zu erwarten, dass dabei die Situation im Jemen, in Libyen und in Syrien ebenso wie der Iran und der Nahost-Konflikt debattiert werden. Wie Kneissl zuletzt erklärte, werde es beim Thema Syrien auch um die Frage der Rückkehr von Flüchtlingen gehen, wobei sie hier die Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin suche, so die Ministerin.

Beim Thema transatlantische Beziehungen geht es unter anderem um die Kooperationsmöglichkeiten bei der Denuklearisierung Nordkoreas und die Aufrechterhaltung des 2015 in Wien geschlossenen Atomabkommens mit dem Iran (Joint Comprehensive Plan of Action/JCPOA), das von US-Präsident Donald Trump einseitig aufgekündigt wurde.

Am Freitag, dem zweiten Tag des Außenministerrates, sind auch Vertreter der EU-Beitrittskandidatenländer - Albanien, Montenegro, Mazedonien, Serbien und die Türkei - eingeladen. Bei der Sitzung wird es laut Außenministerium vordringlich um "effektiven Multilateralismus" gehen. An dem informellen Außenministertreffen, das nach dem Gästehaus der deutschen Bundesregierung im Schloss Gymnich in Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, wo das Treffen 1974 erstmals stattfand, benannt ist, nimmt auch Österreichs EU-Kommissar Hahn teil. Das Gymnich-Treffen endet planmäßig Freitagmittag mit einer gemeinsamen Pressekonferenz (12.30 Uhr) von Kneissl und Mogherini.

Für die Westbalkanländer und die EU-Staaten geht es nach dem Gymnich am Freitagnachmittag weiter: Neben Albanien, Montenegro, Mazedonien, Serbien werden dann auch Vertreter des Kosovo und Bosnien-Herzegowinas zu einem Treffen über Digitale Infrastruktur stoßen.

Dabei dürfte sich aber ein anderes Thema aufdrängen: Grenzen. Zuletzt hatten Aussagen des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und seines kosovarischen Amtskollegen Hashim Thaci international für Aufregung gesorgt. Beide hatten sich für eine neue Grenzziehung zwischen beiden Staaten ausgesprochen. Die Standpunkte diesbezüglich liegen jedoch weit auseinander, wie auch jüngst beim Europäischen Forum Alpbach deutlich wurde. Einig waren sich Vucic und Thaci, zumindest darin, dass sie eine bilaterale Lösung der Grenzstreitigkeiten anstreben - ohne Einmischung von außen.

EU-Erweiterungskommissar Hahn begrüßte die Bemühungen, forderte aber gleichzeitig, das Abkommen müsse auch die internationale Gemeinschaft überzeugen und dürfe "keine Blaupause" für die Region sein. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte, Österreich werde einem friedlichen Grenzabkommen nichts entgegenstellen. Skepsis zu den Plänen zwischen Kosovo und Serbien kam zuletzt vor allem aus Deutschland.

Die EU-Annäherung dieser Staaten ist auch Schwerpunkt der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs. Mit Belgrad und Podgorica laufen bereits Verhandlungen, ihnen stellt die EU-Kommission gar einen Beitritt bis 2025 in Aussicht. Mit Tirana und Skopje könnten im Juni 2019 Gespräche aufgenommen werden. Nur Sarajevo und Prishtina bleiben Sorgenkinder der EU-Kommission - sie werden als "potenzielle Beitrittskandidatenländer" gelistet.

Serbien erkennt - sowie auch fünf EU-Staaten - nach wie vor die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz nicht an. Österreich gilt als einer der größten Unterstützer des Kosovo.