Wien/Vilnius. Eine Woche nach der Freilassung des von Litauen gesuchten russischen Ex-KGB-Offiziers Michail Golowatow geben sich Wien und Vilnius weiterhin unversöhnlich.

So kritisierte etwa der litauische Außenminister Audronius Azubalis die bisherigen Antwortschreiben des Wiener Außenamtes auf die im Fall Golowatow nach Österreich übermittelten Protestnoten als unzureichend und "schwach". Die Erklärungsversuche der Österreicher enthielten "nichts Neues", Litauen betrachte daher die wiederholten Aussagen nach wie vor nicht als "Argumente", betonte der Politiker am Freitag. Sein Land erwarte sich nun "so bald wie möglich eine detaillierte Antwort". Als "nicht umfassend" und "schwach" bezeichnete auch der stellvertretende lettische Außenminister Artis Pabriks die Depeschen aus Wien. Das Außenamt habe wichtige Fragen zu der Vorgangsweise der österreichischen Justizbehörden unbeantwortet gelassen, meinte er.

Hierzulande hält man die Erklärungsschreiben an Vilnius wiederum für ausreichend. Auch daran, sich bei den Litauern zu entschuldigen, denkt niemand.

Pilz: "Außenamt lügt"

Wie Bundeskanzler Werner Faymann am Freitag erklärte, sei "dieser Fall von einer unabhängigen Behörde unabhängig entschieden" worden. Seine Hoffnungen ruhen auf einer mit Litauen vereinbarten Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Falls. "Wir haben nichts zu verheimlichen. Wenn man einmal sieht, wie die Entscheidung gefallen ist, wird man beim Partner auf Verständnis stoßen", so Faymann.

Neben dem Bundeskanzler hat sich am Freitag abermals der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz zu Wort gemeldet und dem Außenamtssekretär Johannes Kyrle "Lügen" in der Causa vorgeworfen. Der Beamte hatte öffentlich erklärt, dass es in seinem Haus keine russische Intervention gegeben habe. Kyrle habe "ganz offen gelogen" und sei damit "rücktrittsreif", so Pilz.

Dem Geheimdienstmann Golowatow wird vorgeworfen, 1991 an Kriegsverbrechen in Vilnius beteiligt gewesen zu sein.