Ankara. (czar/reu) Recep Tayyip Erdogan will sich nicht mehr lange in Geduld üben. Der türkische Ministerpräsident kündigte ein hartes Vorgehen gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) an - und das gleich nach Ende des derzeit andauernden Fastenmonats Ramadan. Die Türkei bereite sich mit einer Strategie auf einen "neuen Kampf" gegen den Terrorismus vor, erklärte Erdogan. Und fügte hinzu: "Wer sich nicht vom Terror distanziert, wird den Preis dafür zahlen."

Die harschen Worte folgten auf Gefechte zwischen der türkischen Armee und der PKK, bei denen am Mittwoch acht Soldaten und ein vom Staat bezahlter Dorfwächter starben. In den vergangenen zwei Wochen kamen bei Kämpfen im Südosten des Landes mehr als 20 Soldaten ums Leben.

Als Reaktion auf die jüngsten Attacken startete das Militär in der Nacht auf Donnerstag schwere Schläge gegen PKK-Stellungen - und drang nach mehreren Monaten Pause auch wieder in den Nordirak ein, in die Rückzugsgebiete der PKK. Nach Armeeangaben flog die Luftwaffe zwei Angriffsserien auf die irakischen Kandil-Berge. Unter anderem hätten F-16-Bomber Luftabwehrstellungen sowie Lager der Rebellen bombardiert. Bei den Luftangriffen seien 60 Ziele ins Visier genommen worden. Verluste habe es dennoch keine gegeben, hieß es wiederum von Seiten der PKK.

Auch wenn Premier Erdogan betont, dass die neue Anti-Terror-Strategie kein Abgehen von der weiteren Demokratisierung des Landes bedeutet, scheint Ankara wieder verstärkt auf militärische Maßnahmen zur Lösung des seit Jahrzehnten schwelenden Kurdenkonflikts setzen zu wollen. Das dürfte auch den inoffiziellen Gesprächen mit dem inhaftierten einstigen PKK-Anführer Abdullah Öcalan ein Ende setzen. Öcalan hatte sich angetragen, an der Ausarbeitung eines "Friedensplans" teilzunehmen - was in türkischen Nationalistenkreisen zu wütenden Protesten gegen die "Kooperation mit Terroristen" führte.

Doch weisen Beobachter darauf hin, dass militärisches Vorgehen bisher viele Tote, aber keine Lösung des Konflikts gebracht hatte. Daher setzte die Regierung Erdogans auf ein Demokratisierungsprogramm, das den Millionen Kurden des Landes mehr kulturelle und soziale Rechte sichern sollte. Allerdings werden die Pläne nur langsam und unter Mühen umgesetzt. Eine neue, demokratischere Verfassung etwa gibt es noch immer nicht.