Bratislava. In der Slowakei, wo schätzungsweise 500.000 Roma leben, kommt es jetzt wegen der geplanten Kürzung von Sozialleistungen zu Protesten. In Bratislava demonstrierten am Mittwoch Hunderte Roma aus dem Osten des Landes gegen Armut und Diskriminierung. Sie zogen durch das Stadtzentrum und forderten gerechtere Chancen auf Arbeit und höhere Beihilfen: "Wenn ihr nicht zu uns kommt, kommen wir zu euch", so das Motto der Veranstaltung.

Warnung vor Unruhen

Die Mitte-Rechts-Regierung in Bratislava will den Wohlfahrtsstaat seit längerem zurückfahren. Roma-Vertreter warnen deshalb vor sozialen Unruhen. In manchen Bezirken der Slowakei beträgt die Arbeitslosenrate weit über 30 Prozent. In Roma-Ghettos in den östlichen Armutsgebieten kommt es vor, dass niemand eine feste Arbeit hat. "Jeder weiß, dass die Roma auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden", erklärte Roma-Aktivist Miroslav Lacko vom Europäischen Netzwerk gegen Rassismus. "Wenn sich Roma um eine freie Stelle bewerben, heißt es plötzlich, die Stelle sei schon vergeben. Aber bestraft wurde für solche offensichtliche Diskriminierung noch nie jemand."

Im Februar des Jahres 2004 war es in der Ostslowakei nach Sozialkürzungen zu gewaltsamen Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. Erst ein Großaufgebot von rund 2000 Polizisten mit Unterstützung der Armee konnte die Situation wieder unter Kontrolle bringen.