Berlin. Es war nicht das erste Mal, dass der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan für Unmut bei einem Deutschland-Besuch sorgte. Und auch diesmal stieß eine seiner Aussagen auf Kritik: In einem Interview forderte Erdogan mehr Rücksicht der Deutschen auf die Verflechtungen türkischer Migranten mit deren Heimat. Dies sei kontraproduktiv für die Integration, befand die Migrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer. Der türkische Staat müsse lernen, die Migranten "loszulassen".

Integration war denn auch Thema bei einem Festakt in Berlin zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Integration sei "eine Schlüsselaufgabe" für Deutschland, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Zusammenleben ist immer ein Geben und Nehmen." Erdogan sprach sich einmal mehr gegen Assimilation aus. Gleichzeitig forderte er von Berlin mehr Unterstützung für die Ambitionen Ankaras, die Türkei in die Europäische Union zu führen: "Wir erhoffen uns, dass es Deutschland sein sollte, das die Mitgliedschaft der Türkei in der EU am meisten vertritt." Allerdings gehört das Land zu den größten Skeptikern dieses Vorhabens.

Dennoch unterstrichen beide Politiker die Verbundenheit zwischen den Ländern. Die Migranten hätten Deutschland maßgeblich mitgeprägt, betonte Merkel. Mit dem Abkommen von 1961 begann offiziell die Anwerbung türkischer Gastarbeiter, dringend benötigter Arbeitskräfte für Unternehmen in der jungen Bundesrepublik. Heute leben in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen türkischer Abstammung.