Berlin/Wien. Die rechtsextremen Terroristen, deren begangene Mordserie derzeit Deutschland in Atem hält, hatten offenbar auch Kontakte zur österreichischen Neonazi-Szene. Der österreichische Rechtsextremist Gottfried Küssel sei vor vier Jahren als Gastredner beim rechtsextremen "Fest der Völker" im thüringischen Jena aufgetreten, das zwei Kameraden der mutmaßlichen Terroristen organisierten, meldete die Wochenzeitung "Falter" in ihrer aktuellen Ausgabe.

Die beiden Organisatoren Andre K. und Ralf W. bildeten mit den mutmaßlichen Mördertrio des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU), der seit 2000 mindestens zehn Menschen ermordet haben soll, die rechtsextreme "Kameradschaft Jena", heißt es in dem "Falter"-Bericht. Andre K. sei im Herbst 1996 mit zwei der Terroristen vor Gericht aufmarschiert. Er wird Medienberichten zufolge verdächtigt, dem Nazi-Trio beim Untertauchen geholfen zu haben. Küssel sei im Jahr 2009 neuerlich vor ostdeutschen Neonazis aufgetreten.

Der Sprecher des österreichischen Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, wies auf APA-Anfrage darauf hin, dass sich Küssel derzeit in Untersuchungshaft befindet. Allein daraus sei ersichtlich, dass die rechtsextreme Szene in Österreich "unter Beobachtung" stehe. "Wir sehen keinen Anlass zur Sorge", betonte der Sprecher.

Stiftung: 182 Tote durch rechtsextreme Gewalt

Die Zahl der Todesopfer durch rechtsextreme oder rassistische Gewalt in Deutschland ist nach Angaben von Initiativen gegen rechte Gewalt seit der Wiedervereinigung auf 182 gestiegen. Diese Zahl ergebe sich, wenn man die Opfer der jetzt aufgeflogenen Zwickauer Terrorzelle berücksichtige, teilte die Amadeu Antonio Stiftung in Berlin mit.

Der Opferfonds Cura der Stiftung habe gemeinsam mit der Aktion "Mut gegen rechte Gewalt" alle Fälle gezählt, für die "glaubhafte Hinweise auf einen rechtsextremen oder rassistischen Hintergrund vorlagen". Die Bundesregierung zähle hingegen lediglich 47 Todesopfer seit 1990. Die Stiftungsvorsitzende Anetta Kahane forderte: "Es müssen auch die Taten hinzugezählt werden, denen rassistische Motive zugrunde liegen, ohne dass Täterinnen oder Täter auf den ersten Blick als Rechtsextreme zu erkennen wären."

Weitere Verdächtige in Deutschland

Indessen sind zwei weitere Verdächtige in den Fokus der Ermittlungen zur Zwickauer Terrorzelle gerückt. Das ARD-Magazin "Fakt" berichtet von einem weiteren Unterstützer aus der rechtsextremen Szene. Auch ein Ex-Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes gerät unter Druck. Gemäß "Bild" soll er bei sechs der neuen "Döner-Morde" in der Nähe des jeweiligen Tatortes gewesen sein.