Pristina. Nachdem bei den schweren Zusammenstößen in dem nordkosovarischen Dorf Jagnjenica am Montagabend unter anderem elf österreichische Soldaten verletzt worden sind - zwei davon schwer -, kündigte Verteidigungsminister Norbert Darabos am Dienstag an, dass das derzeit 150 Mann umfassende österreichische Kontingent sofort um 120 Soldaten aufgestockt werden soll.

Die Vertreter des Kosovo und Serbiens sollen heute in Brüssel ihre Verhandlung über die Lösung praktischer Probleme fortsetzen. Dabei geht es darum, wie die Vertreter Pristinas bei regionalen Konferenzen präsent sein können, um die Frage der Telekommunikation sowie um eine Bewertung der bisher erreichten Vereinbarungen. Gefunden wurde beispielsweise bereits eine Formel, wie akademische Abschlüsse aus dem Kosovo in Serbien anerkannt werden können.

Die Gespräche zwischen den beiden Seiten sind deshalb so kompliziert, weil Serbien jeden minimalen Anschein vermeiden will, den Staat Kosovo indirekt anzuerkennen, während der Kosovo natürlich nicht bereit ist, eben auf diese Staatlichkeit zu verzichten. So geht es bei internationalen Konferenzen etwa um die Frage, was vor den Diplomaten auf dem Tisch (nur ein Namenskärtchen oder mehr) steht, während bei der Telekommunikation das Problem besteht, dass serbische Mobilfunkanbieter südlich des Flusses Ibar nicht zu empfangen sind, während im Norden des Kosovo kosovo-albanische Anbieter durch serbische Sender überstrahlt und gestört werden.

Der kompakt serbisch besiedelte Norden des Kosovo ist dabei ein Sonderproblem. Während sich die Serben in den Enklaven des Südens mit der Unabhängigkeit des Kosovo weitgehend abgefunden haben, sind die Serben im Norden nicht bereit, irgendeine Form kosovarischer Staatlichkeit zu akzeptieren.

Seit die Regierung in Pristina daher kosovo-albanische Zöllner und Polizisten an die beiden Grenzübergänge zu Serbien, Jarinje und Brinjak, entsandt hat, blockieren die Kosovo-Serben im Norden die Straßen. Gleichzeitig sind sie auch nicht bereit, auf die Regierung in Belgrad zu hören, die andere Parteien bilden als die Mehrheit der Gemeinden im Norden, wo die nationalistische Opposition an der Macht ist.

Serbien verhandelt heute somit wieder ohne Unterstützung der Kosovo-Serben, denen es jedoch den Geldhahn abdrehen könnte. Doch bisher blieb es nur bei Aufrufen zum Dialog und zu Frieden, während im Norden die Spannungen zwischen serbischen Extremisten und der Friedenstruppe KFOR steigen. So versucht die KFOR gezielt, die serbischen Sperren nicht zur zu beseitigen, sondern sich auch zwischen die Serben-Gemeinden im Norden zu setzen.

Diesem Zweck diente am Montag auch die Beseitigung einer Sperre beim Dorf Jagnjenica, in der Nähe des Grenzüberganges Brinjak. Bei der Aktion musste die KFOR Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen Demonstranten einsetzen; etwa 30 Serben wurden verletzt. Am frühen Abend griffen dann gewaltbereite Serben de KFOR mit Sprengkörpern, Molotowcocktails, Feuerwerkskörpern und Sprengkörpern an. 23 Soldaten wurden verletzt, darunter auch elf Österreicher, zwei von ihnen schwer. Einer der beiden, den die Splitter an der Brust verletzten, war sogar im künstlichen Tiefschlag. Beide sind bereits bei Bewusstsein und sollen heute von Pristina nach Wien geflogen werden.