Berlin. (klh/ag) Dienstag hieß es noch, sämtliche Personalfragen seien geklärt. Mittwochvormittag trat überraschend Generalsekretär Christian Lindner zurück. Und schon Mittwochabend präsentierte Parteichef Philipp Rösler den bisherigen Bundesschatzmeister Patrick Döring als Nachfolger für den Generalsekretär vorgeschlagen. Der 38-jährige Döring ist seit 20 Jahren FDP-Mitglied, Rösler nannte Döring "tief verwurzelt" in der Partei. Er werde es schaffen, die Basis "wieder zu mobilisieren, so Rösler. Döring kündigte an, die Aufgabe mit "großem Ernst und großem Ehrgeiz" anzugehen.

Lindner war am Mittwoch nach nur zwei Jahren im Amt überraschend zurückgetreten. Er wolle in der Partei "eine neue Dynamik" ermöglichen, begründete er den Schritt. In den vergangenen Tagen hatte sich der interne Streit um den FDP-Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm verschärft. Wie Parteichef Rösler hatte auch Lindner schon im Vorfeld die Vermutung geäußert, dass die Abstimmung an zu geringer Beteiligung der Basis scheitern werde. Initiatoren des Entscheids hatten Lindner Pannen bei der Organisation zur Last gelegt.

Rösler lobte Lindners designierten Nachfolger Döring als "programmatischen Kopf", dem es gelingen werde, "die Kampagnenfähigkeit der Parteizentrale schnellstmöglich wiederherzustellen". Döring sagte, er lasse sich "in dieser schwierigen Zeit für die FDP sehr gerne in die Pflicht nehmen". Die Partei müsse "zu neuer Geschlossenheit finden".

Damit kommt eine Personalrochade nach der anderen. Döring ist erst seit Mai Bundesschatzmeister. Der Rückzug des 32-jährigen Lindners war selbst für die Parteispitze plötzlich. Von einem "Schock für die FDP" sprach die deutsche Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Lindner begründete seinen Schritt damit, dass er den Weg für eine Neuaufstellung der Partei frei machen wolle.

Lindner als Bauernopfer

Es wurde vermutet, dass Lindner mit seiner Entscheidung den umstrittenen Parteichef aus der Schusslinie nehmen wollte. Tatsächlich befinden sich die angeschlagenen Freidemokraten, die in bundesweiten Umfragen beharrlich unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen, nun wieder mitten in einer Führungsdebatte. Denn mit dem Rückzug Lindners wurden Stimmen laut, die auch die Position von Rösler, der erst im Mai 2011 sein Amt antrat, als Vorsitzenden in Frage stellen. Zu diesen Stimmen wird Döring nicht gehören: er begann wie Rösler seine politische Karriere in Niedersachsen, man darf von einer gewissen Verbundenheit ausgehen. Ein herber Schlag für jene, die in den paar Stunden des General-Vakuums "radikale Entscheidungen" gefordert hatten, wie etwa der frühere deutsche Innenminister Gerhart Baum, der gleich den Rücktritt der gesamten FDP-Spitze wollte.