Tiraspol. (leg) Ein neues Kapitel wird bald in der von Moldawien abtrünnigen, international nicht anerkannten "Republik am Dnestr" aufgeschlagen: Mit Jewgeni Schewtschuk haben die Wähler in dem Transnistrien genannten, schmalen Gebietsstreifen zwischen Moldawien und der Ukraine einen neuen Präsidenten gewählt. Der Ex-Parlamentspräsident Schewtschuk, ein ehemaliger Milizionär und Wirtschaftstreibender, setzte sich mit 73,88 Prozent der Stimmen klar gegen den derzeitigen Parlamentsvorsitzenden Anatoli Kaminski durch, der von Russland, der Schutzmacht Transnistriens, favorisiert worden war. Der bisherige Amtsinhaber Igor Smirnow, der seit fast 20 Jahren die Geschicke der mehrheitlich von Russen und Ukrainern bewohnten Dnjestr-Republik lenkt, war überraschend bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden. Eine Beschwerde des Noch-Präsidenten, der die Präsidentenwahlen für ungültig erklären lassen wollte, war von der Zentralen Wahlkommission für unbegründet erklärt worden.

Smirnow wurde jahrelang von Russland gestützt, zuletzt war aus Moskau aber oft Kritik zu hören. Schewtschuk erklärte in einer ersten Reaktion auf seine Wahl, am bisherigen außenpolitischen Kurs festhalten zu wollen.

Die "Republik am Dnestr" war im Zuge der Auflösung der Sowjetunion entstanden, als man sich in Tiraspol vom rumänisch dominierten Moldawien lossagte. Die Sezession löste 1992 einen bewaffneten Konflikt aus. Moldawien bietet dem Gebiet mittlerweile einen Autonomiestatus an.