Paris/Wien. (aum) Für Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy sieht es schlecht aus mit einer zweiten Amtszeit. Nach dem ersten Wahldurchgang etwa eineinhalb Prozentpunkte hinter seinem sozialistischen Rivalen François Hollande, häuften sich wenige Tage vor der Stichwahl an diesem Sonntag die Rückschläge.

Den für eine Trendwende nötigen klaren Sieg im TV-Duell gegen Hollande verpasste er am Mittwoch mit einem Unentschieden. Am Donnerstagabend erklärte der Chef der Zentrumspartei MoDem, François Bayrou, für Hollande zu stimmen; 40 weitere Kader forderten ihre Anhänger auf, dasselbe zu tun. Dazu überschatten noch Gerüchte über eine angebliche Wahlkampffinanzierung Sarkozys durch Gaddafi die letzten Tage bis zum Urnengang. Libyens ehemaliger Ministerpräsident Baghdadi al-Mahmudi ließ diese von Tunis aus, wo er im Gefängnis sitzt, über seinen Anwalt bestätigen. Sarkozy winkte ab: "Glauben Sie, man könnte einfach so 50 Millionen überweisen, das würde keine Spuren hinterlassen?" "Und ich habe dann wohl als Dankeschön an Herrn Gaddafi Libyen angegriffen", so der Präsident. Die Meinungsforscher konstatierten zwar, dass in letzter Zeit der Abstand Sarkozys zu Holland geschrumpft ist, doch gegen den Sturm, der ihm entgegenbläst, noch aufzuschließen, wird keine leichte Aufgabe. Sarkozy ist aber dennoch zuversichtlich. "Ich spüre wie nie zuvor eine Mobilisierung", sagte er am Freitag bei seiner letzten großen Wahlkampfkundgebung in Sables d’Olonne an der Atlantikküste. "Die Wahl steht auf Messers Schneide."

Berlin rechnet mit Hollande

Den Wind im Rücken segelt auf der anderen Seite François Hollande dem Wahltermin entgegen. Mit einem Sieg würde er die 17 Jahre andauernde konservative Herrschaft brechen und der überhaupt erst zweite linke Präsident der Fünften Republik sein. Im Gegensatz zu Sarkozy hat er auch noch die indirekte Unterstützung einer zweiten Partei: Jean-Luc Mélenchon von der Linksfront hatte seine Wähler aufgefordert, alles zu unternehmen, um eine zweite Amtszeit Sarkozys zu verhindern.

Bei Hollandes Stab bereitet man sich bereits auf die Zeit nach einem Wahlsieg vor. Der Sozialist wolle sich im Falle seines Wahlsieges schnell mit seinen EU-Partnern treffen, hieß es aus seiner Wahlkampfzentrale. Er wolle Ende Mai oder Anfang Juni an einem informellen EU-Gipfel teilnehmen, sagte sein Wahlkampfmanager Pierre Moscovici am Freitag in Paris.

Doch auch international sind alle Blicke auf Hollande gerichtet. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge stellt man sich in der deutschen Bundesregierung bereits auf einen möglichen Machtwechsel ein. Auch am Markt werde allgemein damit gerechnet, dass der Sozialist siegt, sagte ein Börsianer.

Dennoch forderte Hollande seine Wähler am Freitag noch auf, so zahlreich wie möglich zur Wahl zu gehen. Noch sei nichts entschieden und ein ordentliches Maß an Dynamik nötig, um auch bei den anschließenden Parlamentswahlen im Juni zu punkten. Die Wahlbeteiligung, die Stimmen für die ausgeschiedenen Kandidaten sowie leere Stimmzettel könnten alle entscheidend werden. "Ich möchte einen großen Sieg", sagte er in einem Radiointerview. "Wenn die Franzosen eine Entscheidung treffen, müssen sie das klar und massiv tun. Sie müssen dem Sieger alle Möglichkeit zu handeln geben. Beschert uns nicht einen knappen Gewinner." Einen großen Sieg, präzisierte er, würde er ab 52 Prozent der Stimmen feiern - ein Wert, den ihm die Umfragen zusichern.