Paris. Mit einem heftigen Rundumschlag hat Nicolas Sarkozy seinen Wahlkampf für die Präsidentschaftsstichwahl abgeschlossen. Der 57-Jährige Amtsinhaber attackierte das "politisch-mediale System", erklärte sich als Opfer einer Form von "Rassismus und Intoleranz" und warf seinem Rivalen Francois Hollande einen "stalinistischen Prozess vor". Ob Sarkozy all das helfen wird können, ist fraglich: Vor dem entscheidenden Wahlgang hat der Präsidenz zwar seinen Umfragen-Rückstand auf Hollande verringern können, der sozialistische Kandidat ist dennoch der klare Favorit - was speziell in der deutschen Regierung für Unmut sorg.t

In einem abschließenden Wahlkampfauftritt in Les Sables-d'Olonne in Westfrankreich rief Sarkozy seine Sympathisanten zur "Freiheit" auf, sie sollten "das Diktat des einheitlichen Denkens nicht akzeptieren". Er bedauerte die "Beschimpfungen" und "Beleidigungen", mit denen er "überschüttet" worden sei. Sarkozy nahm auch einen Reporter des französischen Fernsehsenders TF1 (Gruppe Bouygues) aufs Korn, weil dieser ihm während einer Direktübertragung in der TF1-Nachrichtensendung den Rücken drehte.

Bei der abschließenden Wahlkampfveranstaltung sprach sich Sarkozy auch gegen die Euthanasie aus. Er kritisierte die Lebensbedingungen der Christen in einigen orientalischen Ländern und zitierte Papst Johannes Paul II. "Ein großer Papst hat gesagt: 'Habt keine Angst'. So habt Vertrauen in euch, wenn ihr euch mobilisiert, wenn ihr daran glaubt, wird der 6. Mai euer Sieg sein und nicht meiner, es wird der Sieg Frankreichs sein." Mit Blickrichtung auf die knapp 18 Prozent Wähler des rechtsextremen "Front national" (FN) von Merine Le Pen stellte Sarkozy erneut das Schengen-Abkommen in Frage und sprach sich für eine Kontrolle der nationalen Grenzen aus.

Kein Abkommen Hollandes mit Bayrou
"Sarkozy hat mich unterschätzt", kommentierte indes Hollande lakonisch die Spitzen seines Widersachers. Der Sozialist liegt in Umfragen nach wie vor in Führung, eine jüngste IFOP-Umfrage sagte ihm allerdings nur noch 52 Prozent der Stimmen voraus, gegen 54 bis 56 in den vorangegangenen Erhebungen.

Frankreichs konservative Premierminister Francois Fillon geht jedoch von einem "50:50"-Ergebnis aus. "Das wird sich an einigen hunderttausend Stimmen entscheiden", sagte der Regierungschef nach Angaben der Pariser Zeitung "Le Figaro".