Paris. Wegen seiner Figur lange als "Pudding" verspottet und wegen seiner ehemaligen Lebenspartnerin Ségolène Royal, die vor fünf Jahren in der Stichwahl Nicolas Sarkozy unterlegen ist, auch etwas despektierlich als "Monsieur Royal" betitelt, wird François Hollande als dritter Sozialist nach Vincent Auriol (1947-1954) und François Mitterrand (1981-1995) in den Élysée-Palast einziehen.

Der von protestantischen Vorfahren, die vor 400 Jahren aus den habsburgischen Niederlanden ausgewandert waren, abstammende Hollande wurde am 12. August 1954 in Rouen geboren. Sein Vater, ein Hals-Nasen-Ohrenarzt, war ein Gegner der Résistance von Charles de Gaulle und sympathisierte mit dem rechten politischen Rand, seine vor drei Jahren verstorbene Mutter war Sozialarbeiterin.

1979 trat er der Parti Socialiste (PS) bei und wurde Berater Mitterrands in Wirtschaftsfragen. Nach dessen Wahlsieg im Jahr 1981 folgte er ihm als Berater in den Élyséepalast. Im gleichen Jahr trat er erfolglos gegen Jacques Chirac für ein Parlamentsmandat im Departement Corrèze an. Diesen Sitz konnte er schließlich erst 1988 erobern. 1983 war er Büroleiter der Pressesprecher der Regierung von Premier Pierre Mauroy geworden, aber bei der Kandidatur für das Bürgermeisteramt in Ussel gescheitert. 1993 verlor er auch sein Abgeordnetenmandat, kehrte jedoch vier Jahre später ins Parlament zurück und konnte seinen Sitz seither behaupten.

Innerparteilich unterstützte Hollande in den Neunzigerjahren die Linie von Pierre Mauroy und Lionel Jospin, hatte aber auch gute Kontakte zu EU-Kommissionspräsident Jacques Delors.

Enger Vertrauter von PS-Chef Lionel Jospin

In der Partei wurde er 1994 Sekretär für Wirtschaftsfragen und 1995 Pressesprecher von Lionel Jospin, dem er nach dessen Bestellung zum Premierminister 1997 als PS-Parteichef nachfolgte. 1999 war er für kurze Zeit Europa-Abgeordneter, wurde zu einem der Vizepräsidenten der Sozialistischen Internationale gewählt und 2001 wurde er außerdem Bürgermeister von Tulle.

Nach der Niederlage Jospins, der bei der Präsidentenwahl 2002 im ersten Wahlgang an FN-Chef Jean-Marie Le Pen scheiterte, übernahm Hollande dessen Führungsrolle in der PS und führte die Partei zu den Wahlsiegen bei der Europawahl im Jahr 2004 und bei den im gleichen Jahr abgehaltenen Regional- und Kantonalwahlen, wo die Linke 20 der 22 Regionen des europäischen Frankreichs erobern konnte.

Einen Rückschlag erlitt Hollande beim 2005 abgehaltenen Referendum über die Europäische Verfassung, als viele Sympathisanten der Partei gegen die von ihm vertretene Linie stimmten.

Die Präsidentschaftswahl 2007, bei der seine Lebensgefährtin Ségolène Royal antrat, die er während seines Studiums an der École nationale d’administration (ENA) kennengelernt hatte, schwächte seine Absicht, die Partei zu einigen, da Royal sich in der Wahlkampagne gegen die eigene Partei profilierte. Unmittelbar nach der Wahl trennte sich das Paar, das vier gemeinsame Kinder hat. Hollande ist seither mit der Journalistin Valérie Trierweiler liiert.

2008 kandidierte Hollande erneut als Bürgermeister von Tulle, legte das Amt aber bald darauf nieder, um Präsident des Generalrates von Corrèze zu werden. November 2008 gab er nach elf Jahren auch das Amt des Parteichefs ab und wurde von Martine Aubry abgelöst. Am 31. März 2011 kündigte er seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur an und galt von Anfang an als einer der Favoriten. Nach dem Rückzug von Dominique Strauss-Kahn gewann er die Vorwahlen gegen Aubry klar mit 57 Prozent.