Athen. In Griechenland hat Staatspräsident Karolos Papoulias am Montagabend einen letzten Versuch unternommen, die drohenden Neuwahlen zu verhindern. Als Ausweg schlug er bei einem Krisengespräch mit der konservativen Nea Dimokratia (ND), der sozialistischen Pasok und der linksdemokratischen Dimar-Partei die Bildung einer Expertenregierung vor. Diese solle von möglichst vielen der im Parlament vertretenen Parteien unterstützt werden, erklärte Pasok-Chef Evangelos Venizelos nach dem nur kurze Zeit dauernden Treffen. Die Regierung solle aus "angesehenen und nicht-politischen Persönlichkeiten" bestehen, sagte Venizelos. Er selbst unterstütze diese Lösung, die einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone verhindern soll. Auch der Vorsitzende der ND, Antonis Samaris, sagte, er sei bereit, über den Vorschlag zu diskutieren.

Am heutigen Dienstag soll es nun ein abschließendes Treffen aller Parteichefs mit dem Staatspräsidenten geben. Fehlen wird lediglich der Vorsitzende der Rechtsextremen, den Papoulias laut griechischem Staatsfernsehen nicht eingeladen hat. Ein gemeinsames Gespräch mit ND, Pasok und der linksradikalen Syriza hatte der Präsident bereits am Sonntag geführt. Syriza-Chef Alexis Tsipras hatte allerdings damals schon angekündigt, nicht an einer Regierung der Nationalen Einheit teilnehmen zu wollen, die die Konservativen und Sozialisten ins Spiel gebracht hatten. Die Dimar hatte ihre Beteiligung an einer Regierung bisher davon abhängig gemacht, dass diese auch die Radikallinken mit einschließt. Ein Bündnis aus Nea Dimokratia, den Radikalen Linken, den Sozialisten und der Dimar hätte im Parlament eine große Mehrheit.

Sollte die Bildung einer Expertenregierung scheitern, könnte sich das Parlament bereits an diesem Donnerstag wieder auflösen. Dann wäre der Weg frei für Neuwahlen am 17. Juni. Allerdings zeichnet sich nach Umfragen auch dann keine Mehrheit ab, die den vereinbarten Reform- und Sparkurs mitträgt. Davon machen jedoch die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) weitere Zahlungen abhängig. Griechenland hat nach Angaben des Finanzministeriums in Athen nur noch Geld bis Mitte Juni. Danach droht ein Staatsbankrott.

Bis zu 25 Prozent für Syriza

Im Fall von Neuwahlen könnte das Bündnis der Radikalen Linken mit 20,5 bis 25 Prozent der Stimmen stärkste Partei werden. Die Radikallinken sind im Aufwind, weil sie die Sparmaßnahmen sofort einfrieren wollen. Sie begründen es damit, dass die Griechen den Gürtel nicht mehr enger schnallen könnten. Griechenland fahre "mit Vollgas entlang des Abgrunds in Richtung Neuwahlen", titelte am Montag die Athener Zeitung "Ta Nea".

Die vier Parteien, ND, Pasok, Syriza und Dimar, sind sich grundsätzlich einig, im Euroland bleiben zu wollen. Nur die Kommunisten und die Faschisten stehen hier abseits. Mit beiden Kräften will niemand verhandeln. Zumal sich Faschisten-Chef Nikos Michaloliakos zuletzt anerkennend über Adolf Hitler und die Nazis geäußert hat. "Das deutsche Volk hat Hitler verehrt, und sein Land erlebte ein großartiges Wirtschaftswachstum", meinte der Rechtsradikale.

Strittig ist vor allem der Spar- und Reformkurs, den Syriza einfrieren will. Die drei anderen Parteien lehnen einseitige Schritte ab und wollten stattdessen mit der EU verhandeln. Sie argumentieren, dass eine Mehrparteienregierung den Geldgebern besser erklären könne, dass "endloses Sparen keinen Sinn mehr macht".

Auch die Rechtspartei "Unabhängige Griechen", eine Abspaltung der konservativen Nea Dimokratia, erklärte sich bereit, einer Regierungskoalition beizutreten oder diese zu unterstützen. Als Bedingung nannte Parteichef Panos Kammenos allerdings, dass der Sparpakt nicht in die Tat umgesetzt werde und Deutschland Reparationen für den Zweiten Weltkrieg zahle.

Deutschland hält hingegen trotz der komplizierten innenpolitischen Lage am Sparprogramm fest. "Die Bundesregierung steht zu dem griechischen Programm, mit seinen Zielen, seinen Inhalten und auch mit seinen Zeitplänen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.