Paris. Der Sozialist Francois Hollande ist neuer
Staatspräsident Frankreichs. Der 57-Jährige übernahm am Dienstag im Pariser
Élysée-Palast die Amtsgeschäfte von seinem konservativen Vorgänger Nicolas
Sarkozy, den er in der Stichwahl vom 6. Mai bezwungen hatte. Hollande ist der
24. Präsident Frankreichs und der siebente seit Bestehen der Fünften Republik.

Mit einem Appell an seine Landsleute zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung hat
Hollande sein Amt angetreten. Bei der Zeremonie im Pariser Élysée-Palast sagte
der 57-jährige Sozialist am Dienstag, er könne "die Last der Zwänge"
ermessen, denen das Land ausgesetzt sei: "Eine massive Verschuldung, ein
schwaches Wachstum, eine hohe Arbeitslosigkeit, eine verringerte
Wettbewerbsfähigkeit, ein Europa, das kaum aus der Krise kommt". All dies
sei aber kein unabwendbares "Verhängnis", so lange alle zusammen mit
vereinten Kräften an einer Lösung arbeiteten und die Richtung klar festgelegt
sei. Frankreich brauche den Ausgleich, "Beruhigung", "Versöhnung"
und "Zusammenhalt", sagte Hollande, der sich zugleich zum Kampf gegen
Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung bekannte.



Schuldenabbau mit Wachstumsförderung kombinieren

Den europäischen Partnern will der neue französische Präsident einen Pakt vorschlagen,
der den Schuldenabbau mit Wachstumsförderung verbindet. Um die Krise überwinden
zu können, brauche Europa Projekte, Solidarität und Wachstum, sagte Hollande.
Neben dem "notwendigen Schuldenabbau" müsse es auch eine
"Ankurbelung des Wachstums" geben.

Sein Amt wolle er mit "Würde" und "Schlichtheit" ausüben,
kündigte der 24. Präsident der Republik an. Der Staat werde
"unparteiisch" sein. Bei allen Entscheidungen solle die Frage
gestellt werden, ob dies "gerecht" sei. Er nannte insbesondere Arbeitsplätze
statt "kurzfristiger Profite" als Ziel. Bei der Wirtschaft sei es
Zeit für einen Wandel. Es gehe darum, "die Produktion vor die Spekulation
zu setzen." Beim ökologischen Umbau der Energiewirtschaft seien ebenfalls
neue Akzente notwendig.

Vieraugengespräch mit Sarkozy
Der scheidende konservative Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der in der
Stichwahl am 6. Mai unterlegen war, hatte seinen Nachfolger im Innenhof des
Élysée-Palastes empfangen und anschließend mit ihm ein Vieraugengespräch
geführt. Sarkozy teilte Hollande die Nummerncodes für die französischen
Atombomben mit. Danach verließ Sarkozy den Präsidentensitz und wurde mit
"Merci Nicolas!"-Rufen seiner Anhänger verabschiedet.

Der erste Exponent der Linken im Élysée seit dem Ende der Amtszeit von Francois
Mitterrand vor 17 Jahren fuhr sodann über den Prachtboulevard Champs-Élysées
zum Triumphbogen. Nach einem Empfang im Pariser Rathaus soll Hollande am
Nachmittag den neuen Premierminister ernennen. Nach Angaben eines sehr engen
Vertrauten des neuen Präsidenten wird der langjährige Fraktionschef der
Sozialisten in der Nationalversammlung, Jean-Marc Ayrault, neuer
Premierminister. "Ich denke, er wird gleich ernannt werden, ja",
sagte der Chef der französischen Finanzmarktaufsicht AMF, Jean-Pierre Jouyet,
dem Sender RTL.

Treffen mit Merkel
Hollande fliegt am späteren Nachmittag nach Berlin, wo er mit der deutschen
Bundeskanzlerin Angela Merkel über den europäischen Fiskalpakt und seine
Forderung nach mehr Wachstumsimpulsen sprechen wird. Vor einem gemeinsamen
Abendessen werden beide am Abend vor die Presse treten. Hollande fliegt noch am
Abend zurück nach Paris.