Brüssel/Straßburg. (czar) Ginge es nach Olli Rehn, müssten die Mitgliedstaaten der Union weit näher zusammenrücken, als sie es bisher getan haben. Der EU-Währungskommissar plädierte vor dem Europäischen Parlament, das derzeit in Straßburg tagt, für eine stärker abgestimmte Haushalts- und Wirtschaftspolitik in der Europäischen Union.

Deutlicher als der portugiesische EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, der für seine Zurückhaltung bei politisch brisanten Aussagen bekannt ist, forderte Rehn, den manche Beobachter derzeit sogar als heimlichen Präsidenten der EU-Kommission bezeichnen, damit auch eine Wirtschaftsunion - eine Idee, mit der sich auch das EU-Parlament anfreunden kann. Bisher jedoch sind die Länder für ihre Finanzpolitik, vor allem in Steuerfragen, allein zuständig. Sie wehren sich davor, mehr Kompetenzen nach Brüssel abzugeben.

Mehr Gemeinsamkeit wäre aber laut Rehn eine Bedingung für die Einführung der umstrittenen Euro-Anleihen. "Wir müssen überlegen, welche Art von Europäischer Union nötig ist, um die ökonomische und politische Integration zu vertiefen, so dass die gemeinsame Ausgabe von Anleihen für alle Mitglieder mit der Gemeinschaftswährung sinnvoll ist", erklärte der Kommissar. Denn nur im Falle einer größeren Integration könnten die EU-Länder auch zusammen für Schulden gerade stehen.

Von solch einer Vertiefung sind die Mitglieder freilich noch weit entfernt. Barroso als Chef der Kommission müsste die Länder dazu drängen; eine vertiefte Union wäre nämlich im Interesse der Brüsseler Behörde selbst. Der Kommissionspräsident nimmt diese Aufgabe jedoch nicht wahr - stattdessen macht es sein Stellvertreter Rehn.