Rom. Silvio Berlusconi hätte schon zu Wochenbeginn in Palermo über Geldflüsse zwischen seinen Konten und jenen von Senator Marcello Dell’Utri aussagen sollen. Wie schon so oft zuvor schob er berufliche Verhinderung vor. Jetzt ist für Mittwoch Berlusconis Tochter Marina in Palermo vorgeladen, die für einige der Konten zeichnungsberechtigt war, von denen Millionenbeträge an Dell’Utri geflossen sind.

Insgesamt 40 Millionen Euro hat Berlusconi seit dem Jahr 2000 an seinen langjährigen Weggefährten überwiesen, der seit den Siebzigerjahren sein Firmenimperium mitaufgebaut, in den Neunzigerjahren seine politische Laufbahn mitgemacht hat und seit 1994 wegen Verbindungen zur Mafia im Visier der Justiz steht.

Besonders interessieren sich die Staatsanwälte in Palermo für den Hintergrund der Überweisung von 15 Millionen Euro am 8. März dieses Jahres auf ein Konto von Dell’Utris Frau, von denen sofort 11 Millionen Euro auf ein Bankkonto in Santo Domingo weiterüberwiesen wurden. Einen Tag später stand die Urteilsverkündung vor dem Kassationsgericht auf dem Programm, das die von einem Berufungsgericht über den Senator verhängte Strafe wegen Beziehungen zur Mafia aufhob. Dell’Utri hatte die Urteilsverkündung im Ausland abgewartet und sagt jetzt, die Überweisung sei Teil jener 20 Millionen gewesen, die ihm Berlusconi für seine Villa am Comer-See bezahlt habe. Deren Wert war 2004 auf rund 9 Millionen Euro geschätzt worden.

Dell’Utri soll Berlusconi in den 70er Jahren Kontakte zur sizilianischen Mafia vermittelt haben, die in Berlusconis Bau- und Medienunternehmen Geld investierte und damit weißwusch. Um Berlusconis Familie vor Entführungen zu schützen, wurde auf Dell’Utris Vermittlung auf dem Berlusconi-Anwesen in Arcore der Mafiaboss Vittorio Mangano als Stallbursch eingestellt.

Die Palermitaner Staatsanwälte ermitteln gegen Dell’Utri wegen Verdacht auf Erpressung. Sie vermuten, dass Berlusconi seinem langjährigen beruflichen und politischen Partner die Millionenbeträge für dessen Schweigen überwiesen habe.

Dell’Utri weist die Beschuldigungen entschieden zurück. "Ich habe Silvio ein Imperium aufgebaut, vielleicht schuldet er mir noch Geld, erpresst habe ich ihn nie", sagte er im Interview mit der Zeitung "la Repubblica".