Es ist halt für Österreich relevant. Ich verstehe auch, dass diese Probleme bearbeitet und besprochen werden müssen. Aber wenn man sich diesen Globus ansieht, denke ich mir manchmal, dass es nicht Priorität haben kann, Steuern zu diskutieren. Abgesehen davon bekomme ich davon Kopfschmerzen.

Werden Sie dieser Botschaft inzwischen auch müde?

Ich sage jetzt nein, aber fragen Sie mich noch einmal, wenn ich 40 bin. Es ist einfach eine Notwendigkeit. Vielleicht werden andere müde, weil ich nicht aufhöre, darüber zu sprechen. Aber ich denke, dass genau das der springende Punkt ist. Menschen vergessen sehr schnell.

Aber läuft man nicht Gefahr, zum Prediger des Immergleichen zu werden?

Naja, wenn sie’s nicht lernen? Eine Rechenaufgabe muss man auch so lange üben, bis man sie lösen kann. Ich vertrete nicht die ultimative Wahrheit, aber ich vertrete meine ultimative Wahrheit. Und alle, die gleich denken, sind herzlich willkommen. Alle anderen - und davon gibt es genug, die von mir genervt sind - steht es frei, nicht zuzuhören.

Machen Sie sich auch Gedanken darüber, warum es offenbar auch zu einem reaktionären Backlash kommt?

Ich weiß es nicht. Man kann sich aus vielen Dingen einen Strick drehen, ich drehe mir aus wenigen einen. Es gibt eben eine extreme Dynamik, jede Seite formiert sich, die konservative und jene, die einen Fortschritt möchte. Es ist wie ein Pendel. Wenn es in die eine Richtung ausschlägt, tut es das auch in die andere. Es gibt eine Polarisierung.

Ohne mit Ihrem Namen spielen zu wollen: Aber soll es Leuten einfach mehr wurscht sein?

Natürlich, das ist die Kernaussage. Es ist vollkommen egal. Es sind Nichtigkeiten, welche Hautfarbe oder Sexualität man hat. Es wäre so einfach. Man sollte einfach nur respektieren, dass es Menschen gibt, die eine andere Einstellung haben, die anders aussehen. Deswegen bin ich entspannt, weil ich weiß, dass es das Richtige ist, was ich sage.

Aber Sie sagen auch, dass Sie jene respektieren, die nicht respektvoll handeln?

Weil ich weiß, dass sie ihre Meinung ändern werden.

Wissen oder hoffen?

Ich weiß es. Mir wurde die Schuld an den Überschwemmungen in Serbien gegeben, weil ich Gott zornig gemacht hätte. Ich vertraue darauf, dass der, der das gesagt hat, im Inneren weiß, was er für einen Blödsinn geredet hat. Darauf muss ich vertrauen, weil ich sonst an seiner Intelligenz zweifeln muss. Ich muss auch darauf vertrauen, dass Putin im Innersten weiß, dass es eigentlich egal ist, wen man liebt, wenn er Gesetze verabschiedet, die Homosexuelle diskriminieren. Es ist die Grundunschuld der Menschen. Ich weiß, dass sie im Inneren wissen, dass es Schwachsinn ist.

Dieses Wissen kann aber auch Naivität sein.

Ja, aber ich nenne es anders. Ich kann aus meiner Haut auch nicht raus, und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Menschen wirklich davon überzeugt sind, dass ich, ohne etwas zu tun, ein Land fluten kann. Die wissen schon, was sie für einen Schwachsinn reden.