Wien. (cb) Schon heuer musste Großbritannien unsanft weichen. Also zumindest in einem Videoclip, den Australien zu seinem Gastauftritt beim Eurovision Song Contest 2014 beisteuerte. Als Pausenfüller beim zweiten Semifinale in Kopenhagen präsentierte sich Australien als sehr motiviert, auch einmal bei diesem Bewerb mitzumachen. In dem kurzen Film erklärten Entscheidungsträger der European Broadcasting Union (EBU) den versammelten Surfern und Co, dass sie nicht teilnehmen können, solange Australien nicht in Europa liegt. Diese Challenge wurde akzeptiert, der Kontinent an einen Hubschrauber geschnallt und zwischen Skandinavien und Großbritannien eingeparkt. Der kulturelle Austausch brachte Koalas in den Louvre und Kängurus auf den Euroschein und schließlich trat eine bejubelte australische Hitfabrikantin, Jessica Mauboy, auf. Außer Konkurrenz aber. Trotz aller Bemühungen. Im nächsten Jahr soll sich das ändern: Wie man hört, soll bei der Wiener Ausgabe des Song Contests Australien tatsächlich im Wettbewerb teilnehmen dürfen. Im ORF verweist man auf Nachfrage an die EBU, die EBU wiederum will Finalisten erst kommentieren, wenn alle offiziell sind. Und das wird erst in einigen Wochen der Fall sein.

Besonders treue Fans

Abgesehen von der räumlichen Distanz wäre diese Entscheidung gar nicht so abwegig, wie das auf den ersten Blick klingen mag. Denn Australien gehört zu den treuesten Fans des Song Contests. Seit mehr als 20 Jahren schon scheuen sie keine Zeitverschiebung (in Sidney ist es etwa 6 Uhr in der Früh, wenn der Song Contest startet), um bei der Eurovisionparty dabei zu sein. Deswegen gibt es auch, für manchen Zuseher befremdlich, jedes Mal eine freundliche Begrüßung nach Australien und das ein oder andere aufblasbare Känguru im fahnenschwenkenden Publikum.

Diese Begeisterung kommt nicht nur daher, dass viele europäische Einwanderer in Australien sesshaft wurden. Sie hängt auch damit zusammen, dass einige Australier schon für europäische Länder angetreten sind: Etwa Olivia Newton-John für Großbritannien und auch Johnny Logan ist in Melbourne aufgewachsen und gewann für Irland.

Also nur eine späte Genugtuung für einen vernachlässigten Kontinent? Wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Land außerhalb Europas mitmacht? Nun, Aserbaidschan und Israel machen die eingangs erwähnte (fiktive) Argumentation der EBU ohnehin zunichte. Die geografische Lage ist nicht ausschlaggebend für die Teilnahme beim Eurovision Song Contest. Ausschlaggebend ist allein, dass das teilnehmende Land ein aktives Mitglied der EBU ist. Das ist Australien nicht, es ist nur Partnermitglied (associate member). Diese übernehmen Sendungen aus dem EBU-Portfolio, zahlen auch einen jährlichen Beitrag. In Genf heißt es, eine Umwandlung in ein aktives Mitglied ist möglich, das müsse das höchste Mitgliedergremium der EBU, das Fernsehkommitee, entscheiden.

Es wäre jedenfalls ein historisches Ereignis, denn bis dato hat es eine solche "Einbürgerung" nicht gegeben. Und so ein Neuzugang kann auch gar nicht schaden, immerhin haben schon einige Länder für 2015 abgesagt. Bulgarien und die Slowakei verzichten etwa aus finanziellen Gründen, die Ukraine aus politischen. Australische Teilnahmegebühren sind da wohl willkommen - solange keine Kängurus auf den Euroscheinen sind.