Wien. Marc Antoine Charpentiers Barockfanfare aus "Te Deum" kennt mittlerweile jeder (wenn auch nicht den Namen des Komponisten der Eurovisionshymne): Seit nunmehr 60 Jahren schalten sich die Fernsehsender in Europa zu besonderen Ereignissen zusammen - von Eurovision Song Contest bis zum Neujahrskonzert. Am Freitag (6. Juni) jährt sich der erste Sendetag 1954.

Allerdings wäre das damals erste Event heute kein Quotenhit, wurde doch das Narzissenfest aus Montreux in sieben andere Länder übertragen. "Der Kern der Eurovisions-Strategie, durch zeitgleiche Ausstrahlung Europa als Fernsehpublikum zu vereinigen, erwies sich als Stärke und

Hypothek zugleich", schrieb der Medienwissenschafter Jens Ruchatz in dem Buch "Medienkultur der 60er Jahre". "Damit hatte man eine Vorentscheidung für Liveübertragungen getroffen." Und das hieß: Man lief schneller in Gefahr, die Zuschauer zu langweilen. Das erklärt den Akzent der Eurovision auf Sport, Shows und Musik.

Auslöser der Übertragungsbegeisterung war Königin Elizabeth II. gewesen. Millionen Menschen hatten im Juni 1953 quer durch Europa live am Bildschirm verfolgt, wie die Prinzessin in London gekrönt wurde. Die Zuschauer wollten mehr solcher Spektakel im Ausland sehen.

Damit führt eine direkte Linie von einer Queen zu einer Dragqueen: Das heute wohl bekannteste Event mit Fanfare ist der Eurovision Song Contest (ESC). International verfolgten mehr als 120 Millionen Leute jüngst, wie Conchita Wurst für Österreich den Wettbewerb gewann.

Aber auch der "Musikantenstadl" oder der päpstliche Segen "Urbi et Orbi" zählen zu den Eurovisionsformaten. Das Wort "Eurovision" hatte 1951 der englische Journalist George Campey im "Evening Standard" geprägt. Das Prinzip, dass jedes Land der European Broadcasting Union (EBU) den jeweils anderen seine Berichte zur Verfügung stellte, war einleuchtend und wurde ohne schriftliche Vereinbarung auf die Beine gestellt. Erst im Jahr 1988 hielt man es überhaupt für nötig, die Eurovision ausdrücklich in den Statuten der EBU in Genf festzuschreiben.

"Eurovision wurde von Sendern für Sender aufgebaut", wie es EBU-Direktor Graham Warren auf der Webseite des Verbunds formuliert. Heute gehören der EBU und dem Eurovisions-Netzwerk 72 Mitglieder in 56 Ländern Europas, Nordafrikas und Vorderasiens an.

Sport spielte hier immer eine große Rolle. Es waren erst Wettbewerbe, an denen allein Amateure teilnahmen - Profisport war in Europa noch die Ausnahme. Folgerichtig wurde bei Fernsehrechten kaum über Geld gesprochen. Das änderte sich mit den Jahrzehnten dramatisch.

Stolze 578 Millionen Dollar musste die EBU für die TV-Rechte an Olympia in Turin 2006 und Peking 2008 überweisen. Und auch diese Dimensionen waren den Sportfunktionären irgendwann nicht genug: 2008 kappte das Internationale Olympische Komitee IOC die langjährige Partnerschaft mit der EBU und vermarktete die Rechte in den einzelnen Ländern. Doch bei vielen Sportevents ist die EBU noch immer ein wichtiger Player.