Wien. "Die Studie sagt uns große Zahlen voraus", erklärte Wien-Holding-Chef Peter Hanke am Donnerstagabend bei einer Diskussionsrunde zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Song Contests in Wien.

Laut dem Institut für Höhere Studien (IHS) wird nämlich die Bruttowertschöpfung aus dem Großevent 38,1 Millionen Euro betragen. Der Werbewert wird auf 100 Millionen Euro geschätzt, und an Steuern sollen 16 Millionen Euro fließen, so die Studie.

"Man muss sich vorstellen, dass 200 Millionen Zuschauer aus mehr als 40 Ländern die Übertragung sehen werden. Bilder aus Wien werden um den ganzen Globus gehen und die Archive der Fernsehstationen nachhaltig prägen", betonte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der den Song Contest als "sicherlich größtes Ereignis in der Geschichte des ORF" bezeichnet hat.

Laut dem zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) hätten sich bereits unzählige Journalisten aus dem Ausland nach der Geschichte der Stadt erkundigt. "Die Medien sind jetzt schon voll mit Berichten vom Song Contest in Wien", sagte Oxonitsch und legte demonstrativ seinen Arm auf einen dicken mitgebrachten Papier-Stapel. "Und das sind nur die Berichte, die heuer erschienen sind." Zum Song Contest selbst werden immerhin 1700 Journalisten erwartet, ließ er wissen.

Laut IHS-Studie werden die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe am meisten vom Song Contest profitieren. Immerhin erwartet man 30.000 Nächtigungen in Wien. Tourismusdirektor Norbert Kettner warnte die Hotels vor einer "großen Goldgräberstimmung". Eine Preissteigerung von 40 Prozent wie bei der Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2008 sollte es nicht geben. Der Song Contest werde vielmehr nachhaltige Effekte bringen - "der Nachhall ist genauso wichtig wie der unmittelbare Effekt", betonte Kettner.

Als unmittelbaren Effekt nennt die Studie etwa unter anderem die Schaffung von Arbeitsplätzen, die immerhin im Jahresdurchschnitt gerechnet 562 Vollzeitanstellungen ausmacht, davon 416 in Wien. Auch künstlerische Dienstleistungen sowie Rundfunkveranstalter sowie Werbung und Marktforschung würden enorm von der Großveranstaltung profitieren. Die Möglichkeit, sich international zu präsentieren, sei wiederum unbezahlbar. Das würde man mit normalen Marketingmitteln gar nicht hinkriegen", meinte der Geschäftsführer der Stadthalle, Kurt Gollowitzer. So würde etwa während des gesamten Spektakels das Stadthallen-Logo eine Milliarde Mal wahrgenommen werden.

Im Übrigen entfallen von den 11,7 Millionen Euro, die die Stadt Wien investiert, 8,89 Millionen Euro auf die Stadthalle - für die Bewerbung, die Miete, das Personal, die Technik und die sogenannten Freimachungskosten. Schließlich war die Stadthalle für den Mai 2015 schon gut gebucht, als man erfuhr, dass der Song Contest in Wien stattfinden soll.

Als nachhaltige Effekte wurden eben die mit Wien-Bildern gefüllten Medien-Archive genannt - und die Auswirkungen auf den Tourismus: Die Song Contest-Besucher werden durch die Veranstaltung die Stadt kennenlernen und sie wieder einmal gerne als Urlaubsdestination wählen, hofft Oxonitsch.

Sonntagsöffnung: "Gegen ewige Kompromisslosigkeit"

Angesprochen auf die mittlerweile geplatzten Tourismuszonen während des Song Contests, gab man sich bei der Veranstaltung sehr zurückhaltend. "Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es sicherlich sinnvoll gewesen, wenn die Gäste in der Zeit der Großveranstaltung auch am Sonntag einkaufen hätten können. Aber es ist letztlich ein politisches Thema, in das ich mich nicht einmischen will", hieß es etwa. Eine offizielle Stellungnahme wollte allerdings keiner dazu abgeben. Lediglich der Tourismusdirektor meinte, dass er eine "ewige Kompromisslosigkeit in der Sache" für nicht besonders sinnvoll erachte.

Hintergrund: Die Wiener Handelsbeschäftigten haben am Donnerstag einer möglichen Sonntagsöffnung eine klare Absage erteilt - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Damit dürfte auch eine entsprechende Aufsperrerlaubnis in Tourismuszonen während des Song Contests vom Tisch sein: Diese könnte Landeshauptmann Michael Häupl zwar verordnen, er hat jedoch stets betont, dass eine Sozialpartnereinigung dafür Voraussetzung wäre.