Nachdem die Stadt Wien bereits ihre ganze Müllentsorgungsmannschaft (die sogenannten "Saturday Night Feger") zu Botschaftern des "Eurowischn Putzcontests" gemacht hat, geht man nun in dieser Kategorie noch einen mutigen Schritt weiter. Seit Mittwoch schallt Song-Contest-Musik auch aus dem Wiener Kanal. Mist, Untergrund, Fäkalien gar: Ein Schelm, der sich da womöglich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Stadt Wien dann doch eher einschlägige Assoziationen mit der Veranstaltung "Song Contest" hat. Man fragt sich: Was kommt da noch? Bekommt die Müllverbrennung Spittelau einen Bart aufgeklebt?

Aber das sind natürlich böse Vorurteile. Tatsächlich hat zwar nicht der Wiener Müll, dafür aber der Wiener Kanal durchaus Touristikpotenzial. Es gibt ja sogar eine "Dritte Mann"-Kanal-Tour. Dass die Song-Contest-Klientel die Anton-Karas-Zitherklänge, die neben Conchita Wurst, The Makemakes und "Merci, Cherie" durch auf ganz Wien verteilte Kanalgitter klimpern, zuordnen kann, ist vielleicht eine gewagte Annahme.

Es ist aber freilich nicht das erste Mal, dass man hierzulande Kunst und Kot vergnügt zusammenspannt. Das hat Tradition: Tatsächlich passt die Aktion sogar tadellos in eine Stadt, in der es auch ein vielbesuchtes, walzerbeschalltes Opernklo gibt.

Die Gullys in den sechs Fußgängerzonen singen übrigens nur von 8 bis 20 Uhr. Es besteht also zumindest nicht die Gefahr, dass sich jemand zu Tode erschreckt, weil er mitten auf der Gasse zur Geisterstunde plötzlich Udo Jürgens singen hört. Von unter der Erde.