Was bedeutet es für Sie, dass der Song Contest in Österreich stattfindet?

Ich bin sehr, sehr stolz, dass der Song Contest dieses Jahr hier in Wien stattfindet. 1967 war auch lange vor meiner Zeit, und ich finde das so schön, dass Österreich jetzt beweisen kann, dass wir das toll machen.

Was wünschen Sie sich für den heurigen Song Contest?

Einen würdigen Sieger, eine perfekte Organisation und dass die Fans am Ende sagen, dass das Gesamtkonzept in Wien super war, die Leute freundlich waren und die Show professionell. Wenn die Fans sich in ein paar Jahren zurück erinnern und sagen, Wien, das war eine geile Stadt, dann bin ich glücklich.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Wir nehmen das alle wirklich sehr ernst. Egal, ob das der Fanclub ist, der ORF, andere Organisationen, die mitbeteiligt sind: Alle arbeiten zusammen, damit das Projekt Eurovision Song Contest funktioniert. Insofern sehe ich dem sehr gelassen entgegen. Wir können das schon. Wir wissen auch, dass wir nicht so oft gewinnen und es dumm wäre, die Chance, sich zu präsentieren, zu verbocken. Es ist toll, dass die ganze Maschinerie in diese Richtung läuft.

Ist es schon zu viel Marketing, zu aufgesetzt, zu weit weg vom "echten" Song-Contest-Feeling?

Das echte Song-Contest-Feeling ist aufgesetzt und kitschig. Was wäre der Song Contest ohne die schrillen Kostüme, ohne die halbnackten Tänzerinnen und Tänzer, ohne die übertriebenen Gesangseinlagen, ohne die übertriebenen Bühnenbilder - das ist das, was die Eurovision ausmacht. Der größte Fehler, den man machen kann, ist, die Eurovision zu ernst zu nehmen. Es ist eine Unterhaltungsshow, teilweise auch ein Show-Contest mit einem musikalischen Aspekt. Wenn man das Ganze nicht zu ernst nimmt, kann man der Show auch etwas abgewinnen.

Wie hat sich der ESC in den vergangenen Jahren geändert?

Die Wandlung in den vergangenen Jahren war unglaublich. In den 1990er-Jahren traute man es sich nicht zu sagen, dass man das schaut. Heute wird es zelebriert, man hat im besten Fall sogar Freunde um sich oder es gibt eine Familien-Party. Ich glaube, dass die kommerziellen Erfolge eine immer größere Rolle spielen. Im vergangenen Jahr war es so, dass immerhin 14 Lieder in den österreichischen Charts waren. Da kann man nicht mehr sagen, dass das nicht einen gewissen Einfluss hätte auf den Musikmarkt, dass das nur so ein Minderheitenprogramm ist. Es ist für viele Leute gedacht, es ist als Familienshow gedacht. Und so soll man es bitte am Ende des Tages auch sehen.

Wer gewinnt dieses Jahr?

Wenn die Performance so ähnlich aufgebaut ist wie in der Vorentscheidung beim schwedischen Melodifestivalen, dann wird es Schweden werden. Mit noch sehr klaren Vorteilen für Italien. Und ich persönlich würde eine Überraschung wie Slowenien oder Estland ganz nett finden. Slowenien ist eine Nummer, die sehr experimentell ist, und das sollte belohnt werden. Aber man weiß nicht, was wirklich am 23. Mai passiert. Wenn es nach den Buchmachern und nach meinen bisherigen persönlichen Erfahrungen geht, dann gewinnt Schweden oder Italien.



Wie stehen die Chancen für die Makemakes?

Ich glaube, dass es für ganz weit vorne reichen kann. Der Faktor Titelverteidigung lässt mich ein bisschen unruhig werden. Bei einem Televoting-System denken die Leute, die haben gerade erst gewonnen. Es war in den vergangenen Jahren immer so, auch bei Schweden oder Dänemark, die davor immer Favoriten waren. Aber das Lied hat definitiv das Potenzial zu überzeugen, es ist sowohl ein Lied für die Jurys als auch für das Televoting.

Was ist der Trend im ESC dieses Jahr?

Es wird immer mehr kommerzialisiert, das heißt Englisch wird immer mehr die Sprache der Veranstaltung. England und Irland haben ihre großen Siege errungen, als es die Sprachregelung noch gab, weil es ein Vorteil ist, englisch zu singen. Was die Trends anbelangt, erinnere ich an die Hofburg in Wien (Austragungsort des ESC 1967, Anm.): Gewonnen hat das Lied "Puppet on a String", ein Lied über Marionetten - danach hat es jahrelang Marionetten-Lieder gegeben. Dann hat ABBA gewonnen, und es folgten jahrelang Formationen mit zwei Männern und zwei Frauen. Und vergangenes Jahr hat so eine bombastische Ballade gewonnen, da war es klar, dass der Jahrgang in Wien ruhiger, getragener und eleganter wird. Man versucht mit Kalkül zu arbeiten, was in dem einen Jahr funktioniert, kann im anderen nicht ganz falsch sein. Meistens ist es aber genau das andere. Lordi (Gewinner 2006, Anm.) waren zum Beispiel eine Überraschung, aber es war an diesem Abend die einzige Hard Rock-Nummer, und die Stimmen konnten sich auf sie konzentrieren. Wie es auch immer gefährlich ist, wenn es viele Frauen gibt, die gut sind, weil sie sich dann gegenseitig die Stimmen wegnehmen und dann gewinnt ausnahmsweise einmal ein Mann. Wäre Conchita zum Beispiel 2012 mit "Rise like a Phoenix" angetreten, hätte sie sich gegen "Euphoria" (Gewinnersong 2012/ Loreen) nicht durchsetzen können, da wäre der Zug drüber gefahren.



Welcher Song-Contest-Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung?

Das war der Sieg 2014, in der Halle direkt dabei zu sein, und auch die Momente danach werde ich nie vergessen. Ich bin hingefahren und hatte keine Erwartungen. Wir waren bei den Buchmachern auf Platz 14. Und dann sitzt du im Semi-Finale als einer von vielleicht 50 Österreichern und rundherum schreit die Eurovision-Crowd "Conchita!" und "Austria!". Das meine ich mit dem internationalen, schönen, friedlichen Wettbewerb. Die ganze Halle hat "Austria!" gerufen, das hat sich dann auf die Dänen in den Rängen übertragen. Das werde ich nie vergessen.