"Bloß nicht Erster werden", heißt oft am Rande von Musikwettbewerben. Denn wer Erster wird, von dem hört man ohnehin nie mehr etwas. Oder sagen Ihnen Massiel, Dana, Jaqueline Boyer oder Corinne Hermés etwas? Sie alle waren Song-Contest-Gewinner. Jacqueline Boyer gewann 1960, als Rudi Carrell den 12. Platz errang. Die Spanierin Massiel gewann 1968, als Cliff Richard Zweiter wurde.


Die Irin Dana gewann im Jahr 1970, als Julio Iglesias 4. wurde. Und die französische Sängerin Corinne Hermés gewann für ihr Land im Jahr 1983 - in die weltweiten Charts kam danach aber die israelische Sängerin Ofra Haza, die sich am zweiten Platz geschlagen geben musste.

Irgendwie stimmt es also und irgendwie auch nicht. Denn so mancher gewann den Song Contest und wurde trotzdem weltberühmt. Als Udo Jürgens im Jahr 1966 mit "Merci, Cherie" seinen Hit landete, war er zwar kein unbeschriebenes Blatt mehr, aber der ESC-Sieg brachte ihm Tourneen in die ganze Welt. Das schwedische Kult-Quartett ABBA (Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid) erlebte 1974 mit "Waterloo" bekanntlich kein selbiges beim Song Contest.

Ein Risiko

Die kanadische Sängerin Celine Dion war Ende der 1980er Jahre bereits in Kanada und Frankreich erfolgreich. Mit 20 Jahren hatte sie schon 14 Alben veröffentlicht, als sie 1988 beim Song Contest für die Schweiz antrat. Nach ihrem Sieg begann sie neben Französisch auch auf Englisch zu singen und schaffte damit den internationalen Durchbruch in die USA.

Für bereits sehr erfolgreiche Sänger ist das Antreten beim Song Contest allerdings ein Risiko. In die Künstler werden hohe Erwartungen gesetzt, die dann oft nicht erfüllt werden können. So trat Cliff Richard 1968 an und wurde von der BBC bereits als Sieger gehandelt. Womit niemand rechnete: Deutschland gab in der letzten Runde die höchste Punkteanzahl an Spanien und nicht an England. So stand der Sir am Ende vom ESC-Sieg ungeadelt da. In Cliff Richards Wikipedia-Eintrag findet sich die Information entsprechend diskret behandelt. Chanson-Star Patricia Kaas landete am unwürdigen 8. Platz. Auch 80er-Legende Bonnie Tyler tat ihrem Comeback mit dem Wettbewerb nichts Gutes. Mit ihrer Single "Believe in me" erreichte sie 2013 bloß den 19. Platz.


An die kümmerlichen 12 Punkte für Engelbert Humperdinck 2012 will Großbritannien auch nicht mehr erinnert werden.