Alf Poier und Kunst. - © Seifert Verlag
Alf Poier und Kunst. - © Seifert Verlag

"Posttraumatische Erscheinungen" hat Alf Poier noch immer, wenn es um den Song Contest geht. 2003 erreichte der Kabarettist mit dem Katzerl-Haserl-Rocksong "Weil der Mensch zählt" den sechsten Platz. Seither gelingt es ihm nicht immer, sich dem Trubel um das Wettsingen zu entziehen. Sei es, weil er unermüdlich dem ORF gute Tipps gab ("Ich hab lange, bevor die russischen Omas gekommen sind, vorgeschlagen, ein Casting in einem Altersheim zu machen. Die Ideen von mir wurden aber meistens heruntergemacht"). Sei es, weil er mit Aussagen über Conchita Wurst im Vorjahr danebengegriffen hat. Da hatte er bei der späteren Gewinnerin "verschwulte Zumpferl-Romantik" diagnostiziert. Mit der folgenden Empörung hat er nicht gerechnet, sagt er: "Ich wollte halt lustig sein. Ich bin ja nicht der Bundespräsident, ich bin Komiker. Ich hab mich ja auch für die Wortwahl entschuldigt."

Das im Zuge des Conchita-Sieges vielbemühte Schlagwort von der Toleranz gibt Poier aber immer noch zu denken, wenn auch globaler: "Toleranz ist sicher eine der wichtigsten Eigenschaften, um aus dem ganzen Schlamassel dieser Welt wieder herauszukommen. Die Frage ist aber oft, ob die Toleranz, die an den Tag gelegt wird, nicht nur ein Geschäftsmodell ist. Die Frage ist auch, sind die Leute toleranter geworden oder nur opportunistischer. Ich hab das Gefühl, dass die Welt ein bissl meinungsschizophren wird. Es gibt eine private und eine öffentliche Meinung. Das macht mich schon nachdenklich."

Als Künstler müsse man sich immer stärker gegen Instrumentalisierung wehren: "Man muss wirklich aufpassen, was man sagt. Ich habe keine Lust, dass ich von gewissen Parteien wegen einer Aussage instrumentalisiert werde. Man hat ja auch mittlerweile das Gefühl, die SPÖ hat den Song Contest gewonnen und nicht die Conchita". Um das zu verhindern, hat Poier eine Strategie: "Ich behaupte etwas Absurdes, das kann keiner widerlegen. Das zeigt, dass man etwas Anarchisches in sich trägt, aber man muss nicht Stellung beziehen."

Mit seinem absurden Aktionismus hatte Poier beim ESC in Riga Erfolg - vor allem die Journaille zeigte sich dankbar für die Abwechslung. Dass sich der Dadaismus schon seit Jahren durch sein Werk zieht, zeigt nun eine Ausstellung im Bank Austria Kunstforum. Sie vereint Zeichnungen und Objekte, die für Poiers Kabarett-Programme entstanden sind mit eigenständigen Werken: von der "Kamikatze" und der Arschgeige bis zu Bildern wie "Spiegeleier". Sie sind Produkte einer "metaphysischen Verzweiflung", die Poier, wie er sagt, jahrelang vor sich hergeschoben hat. Kant, Nietzsche, Schopenhauer, sie alle konnten ihm keine Antworten liefern. Erst ein asiatisch fundierter Dadaismus führte zum metaphysischen Heil. Und außerdem bereitet es ihm Vergnügen, dass es genug Leute gibt, die sagen: "Was, das soll Kunst sein?" Und dieses Verwirren hat ja schon beim Song Contest gut funktioniert.