Wien. Seitens der Macher des heurigen Song Contest hört man in der Regel nur lobende Worte über die Freiheiten, die der ORF bei der Gestaltung des Song Contests hat. Executive Producer Edgar Böhm meinte dazu in einem Interview: "Die Regeln und das Votingsystem stehen fest. Aber alles andere, also wie die Show aufgezogen wird, welches Design, welchen Slogan, welche Moderatoren oder welche Einspielfilme es gibt - das ist total uns überlassen." Damit hat der Unterhaltungschef des ORF natürlich recht. Das war es dann allerdings auch schon mit den Freiheiten.

Denn die Europäische Broadcasting Union (EBU), der Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Sender in Europa (und weit darüber hinaus), als Veranstalter hat minutiöse Regelwerke, wie der Song Contest abzulaufen hat. Beinhart ist man in diesem Zusammenhang etwa mit den Einnahmen. Denn die Vermarktung der Sponsoren des Events sowie der Ticketverkauf läuft ausschließlich über die EBU. Die Werbung in der Sendung, genannt "Sponsoren", wird bei der EBU zentral in Genf vermarktet - der ORF hat darauf nur sehr mittelbar Einfluss. Das macht es natürlich schwierig, nationale Sponsoren zu gewinnen, da man als Gegenleistung keine On-Air-Präsenz im Rahmen der Show anbieten kann. Die Erlöse aus den Sponsorships werden nach einem bestimmten Schlüssel zwischen EBU und ORF geteilt. Das hat zur Folge, dass man beim ORF bei der Budgetierung nur ungefähr wusste, mit wie viel Geld aus diesem Titel zu rechnen ist.

Alleine die Guidelines über die Art und Weise der Verwendung des Song-Contest-Logos erstrecken sich in einem eigenen Regelwerk über schlanke 15 Seiten. Der Song Contest hat seit 2004 eine "Visual Identity" - das Logo hat ein Herz in der Mitte, dessen Inneres in den Nationalfarben des Veranstalters gehalten ist. Die Schriftart des Song Contest ist übrigens "Gotham".

Bitte nur "Weltklasse"

Ausgesprochen detailliert sind naturgemäß die Vorgaben über die Show selbst. 46 Länder dürfen am Bewerb teilnehmen (die Zahl wurde übrigens nie erreicht, das Maximum waren 43), ins Finale davon gelangen maximal 26, der Rest muss bekanntermaßen die Semifinale überstehen. Kurioserweise schreibt die EBU vor, dass die TV-Show eine "state-of-the-art world-class television production" sein muss - man darf sich fragen, wie man diese "Regel" im Streitfall handhaben will. Die Show muss übrigens in Englisch und Französisch präsentiert werden.

Minutiöse Vorschriften gibt es natürlich für das Televoting und die nationalen Jurys, deren Votings kombiniert werden. Fünf Mitglieder sitzen in der nationalen Jury - keines davon darf übrigens dem ORF angehören und muss aber einen Beruf haben, der mit Musik zu tun hat, etwa als DJ, Komponist, Autor oder Produzent. Die Namen der Juroren müssen vom Kommentator genannt werden, damit man weiß, bei wem man sich zu bedanken hat. Für die Jurys gibt es ein eigenes Regelwerk, das sogenannte "Green Document".

Die Jury kann erheblichen Einfluss haben: Laut Regelwerk ist die EBU ermächtigt, das Televoting-Ergebnis eines Landes zu annullieren und nur die Jury-Votings für gültig zu erklären. Dies etwa in dem Fall, wenn zu wenige Anrufe beim Televoting eingelangt sind und dieses somit nicht auf einer breiten Basis steht.

Fluchen verboten!

Bekannt sind auch die Regeln, die für den Song gelten, den jedes Land einreichen muss. So darf das Lied nicht vor dem 1. September 2014 veröffentlicht worden sein. Gemeint ist damit eine kommerzielle Nutzung (etwa Verkauf), nicht jedoch Postings in sozialen Netzen wie Facebook oder eine Veröffentlichung via YouTube. Kein Song darf länger als drei Minuten sein. Wer sich einmal eine Bühnenshow mit einem netten Pony oder Friedenstauben erwartet, wird enttäuscht werden: Lebende Tiere sind auf der Bühne verboten.

Ein Sänger darf übrigens nicht für zwei Länder gleichzeitig antreten. Gesungen wird im Halbplayback, das bedeutet, dass die Musik vom Band kommt, der Gesang jedoch live sein muss. Das war früher anders, als man sich noch von einem Orchester begleiten lassen durfte (das gab es zuletzt 1998). Politische Botschaften etwa auf T-Shirts oder Bannern, per Handzeichen oder verbal sind verboten. Weiters darf im Text nicht geflucht oder "inakzeptable Sprache" verwendet werden und "die Reputation der EBU" muss gewahrt werden, wie es in den Guidelines heißt.

Selbstverständlich liegen jegliche Rechte an der Sendung bei der EBU, die diese auch an interessierte TV- oder Radioanstalten vermarktet - wenn diese aus Ländern kommen, die nicht teilnehmen. Das ist eher unwahrscheinlich: Denn dieser Kreis ist mittlerweile ja recht umfangreich.