Es ist ein ziemlich großes Areal auf dieser Europa-Karte, das schlicht und einfach nur mit "Betrunkene" beschriftet ist. Auf regulären Landkarten befindet sich da Russland. Ein kleiner Bereich westlich davon ist überraschend die "Sowjetunion", direkt südlich darunter ist die "Ostmafia". Da, wo man Griechenland vermuten würde, steht "Dritte Welt" und "Steuerdiebe". Skandinavien besteht aus "Schlechten Skifahrern" und "Heringen", Großbritannien gleich nur aus "Horror-Essen". Das ist "Europe according to Austria 2012", eine Arbeit des bulgarischen Grafikers Yanko Tsvetkov. Sie zeigt, mit welchen Klischees und Vorurteilen der Durchschnittsösterreicher über seine europäischen Kollegen denkt. Man muss sagen, selbst drei Jahre später ist die Trefferquote immer noch wahrscheinlich gar nicht so schlecht.

Dieses Kunstprojekt ist in der "Grätzlgalerie" im 15. Bezirk zu sehen. Das Event des Jahres in Rudolfsheim-Fünfhaus lässt nämlich auch die weniger schlageraffine Kunstszene nicht kalt. Beziehungsweise weiß sie die Aufmerksamkeit der die Nachbarschaft durchstreunenden Fans zu nützen. Während also der hoffentlich humorbegabte Tourist in der Galerie sehen kann, wie der Rest Europas über ihn denkt, gibt es auch Kunst im öffentlichen Raum zu sehen. In verschiedenen Geschäftsauslagen und auf Balkonen in der Umgebung der Stadthalle, im Nibelungenviertel sind Flaggen aller 40 teilnehmenden Länder des Song Contests zu sehen. Das Besondere an den Fahnen der Designerin Stefanie Nolz: Sie hat sie aus Altkleidern, von Jeans über Hemden bis zu Bettwäsche zusammengenäht.

Ein bisschen weiter stadteinwärts muss man für das nächste Kunstprojekt gehen, dafür kann man sich dann gleich darauf ausruhen: Im Museumsquartier haben österreichische Künstler - ausgewählt von den Platzhirschen Leopold Museum, der Kunsthalle und dem Mumok - Enzis als Hommage an die teilnehmenden Länder gestaltet. Auf dem österreichischen, den Nives Widauer bearbeitet hat, steht "Rot/Was weiß ich/Rot". Der australische ist ein bisschen aufwendiger, aus ihm ragen Bumerangs. Die ESC-Enzis sind noch bis 27. Mai zu sehen, danach werden sie für einen karitativen Zweck versteigert.

Im Leopold Museum wiederum widmet sich Tex Rubinowitz der Aufarbeitung von spezieller Demütigung: Er hat Porträts von glücklosen Song-Contest-Teilnehmern, die nur null Punkte auf ihrem Finalkonto verzeichnen konnten, gemalt. Es ist wahrscheinlich keine Überraschung, aber: Es sind auch ein paar Österreicher darunter.