1986 war noch zu früh. Das war nämlich jenes Jahr, in dem erstmals Drag Queens beim Song Contest aufgetreten sind. Zwar diskret im Hintergrund, und einer davon war gar nicht in Frauenkleidern. Aber auch das muntere Mitmachgehopse in Pastellkostümen half nichts: Norwegen schaffte es mit den Great Garlic Girls als Unterstützung für Sänger Ketil Stokkan nur auf den 12. Platz.

1998 dafür gleich ein Quantensprung: Erstmals trat mit Dana International eine Transsexuelle auf - und gewann den Bewerb gleich für Israel. Das Erfolgsrezept war wohl neben dem, so zynisch es klingt: Exotenbonus, auch ihr Lied, an dem sich Frauen wie so mancher Mann im Publikum gleichermaßen aufrichten konnte: Der Refrain lautete "Viva la Diva".

Erst einige Jahre später entdeckten Drag Queens, also Männer, die (nicht nur) zu Showzwecken in Frauenkleidern auftreten, den Song Contest als ideale Bühne. Das mag wohl auch daran liegen, dass der Singwettbewerb noch eine Enklave des populärkulturellen Kitsches ist und mit seinen übertriebenen Gesten, übersteuerten Stimmen und überladenen Kostümen der Camp-Kunst naherückt. 2002 schickte also Slowenien stämmige Herren in glitzernden Stewardessen-Uniformen: Sestre kam aber nur auf Platz 14.

Weiße Strumpfhose

2007 dann nachgerade ein Fummel-Gedränge auf der ESC-Bühne. Dänemark schickte DQ, einen Travestiekünstler mit Zirkuspferd-Kopfputz und üblem Autodrom-Tschinderassa namens "Drama Queen". Was natürlich auch wieder Frauen und so manchen Mann im Publikum gleichermaßen hätte ansprechen können. Aber Dänemark kam nicht einmal ins Finale, denn es hatte nicht mit der Ukraine gerechnet. Die schickte nämlich Verka Serduchka (Bild), wohl eine der bizarrsten Erscheinung der an bizarren Erscheinungen nicht armen Song-Contest-Geschichte. Ihren Discokugelglitzerhelm krönte ein Stern, unter ihrem alufolienartigen Minikleid stampfte sie direkt auf Platz 2: in weißen Strumpfhosen zu ihrem Crazy-Dancefloor-Kracher und dem legendären Lobotomie-Refrain "Sieben Sieben Ei Lulu".