Außenseiterchancen werden Estland zugerechnet. In einem Jahr mit auffallend vielen Duetten sticht diese kleine indiehafte Performance von Elina Born und Stig Rästa heraus: ein leicht angegruseltes Folkmusik-Kammerspiel, sozusagen David Lynch in der Hubba-Bubba-Blase. Vielleicht ein bisschen zu wenig Dramatik und große Geste für den finalen Triumph, aber was zum Durchatmen für Pomp-Geplagte.

Apropos Kaugummi: Als hätte er vergessen, seinen herauszunehmen, singt der Belgier Loic Nottet. Ihn und seine monochrome Truppe mit Genickwackel-Choreografie sehen Experten auch weit vorn.


Man fiedelt behände
die Luftgeige

Solche Tanz-Einlagen gehen bei der slowenischen Kandidatin nicht, bei ihr hat man sich als Accessoire riesige Kopfhörer überlegt. Auffallen um jeden Preis, sagen da die einen. Andere glauben, sie trägt sie als Schutz vor dem gnadenlosen serbischen Ohrwurm. Dieser Act hat auch eine Luftgeigenspielerin zu bieten - Luftklavier war zu teuer.

Bei den Google-Anfragen verzeichnete man übrigens reges Interesse am armenischen Lied: Das ist aber wohl kaum als Hinweis auf einen möglichen Sieg zu deuten. "Face the Shadows" erregte die Aufmerksamkeit, weil es gelungen ist, ein versteckt politisches Lied ins Finale zu schummeln: Es handelt vom Genozid an den Armeniern. Bei der am Ende doch mehr spaßorientierten Veranstaltung wird das aber kaum eine Rolle spielen. Laut Social-Media-Analyse ist das Interesse an der spanischen Sängerin Edurne groß, bei den Wettquoten ist sie freilich eher im Mittelfeld. Die Fußballerfrau singt Dramatisch-Musicaleskes mit traditionellen Song-Contest-Gesten und - Windmaschine.

Österreichs Beitrag liegt bei den Prognosen übrigens weit hinten. Aber was ja bekanntlich das Wichtigste ist: Deutschland noch weiter.