Die Eröffnung, die ja eine Showbusiness-taugliche Visitenkarte des austragenden Landes (Tourismus!) sein soll, war ausgewogen: Ein gutes Stück Rührseligkeit (Udo! Kinderchor!), ein fetter Anteil Bombast-Action (fliegende Conchita!), eine Prise Philharmoniker-Seriosität.

Für die Pausenshow Star-Perkussionist Martin Grubinger zu engagieren, war eine ambitionierte Idee, die sich ausgezahlt hat: Man hat schon Peinlicheres in der Wartezeit zum Ergebnis gesehen. Die Postkartenclips, die die Contestanten der Österreich-Eigenwerbung einverleibten, fielen charmant aus (mit "subtilem" Humor, etwa als die russische Sängerin ausgerechnet zu Swarowski geladen wurde). Das Moderatorenteam überstrahlte Alice Tumler, ein souveräner, polyglotter Fels in der Brandung, Arabella Kiesbauer war von authentischer Lockerheit, nur Mirjam Weichselbraun dürfte es sich mit dem Gagschreiber verscherzt haben, da hatte sie die Niete abonniert. Apropos Niete: Bitter das Abschneiden der Makemakes, die es Conchita Wurst auf der anderen Seite der Skala gleichmachten: Sie wurden Letzte, mit 0 Punkten.

Natürlich fehlten auch heuer Song Contest-Fixpunkte nicht. Die Windmaschine, das Kleider-vom-Leib-Reißen, das Sehnsuchtsvoll-die-Arme-Ausstrecken. Leider gab es in diesem Jahr aber wenig Titel, die so bizarr sind, wie man es sich für einen Song Contest erwartet. Da war zwar Lettland mit einer extensionschweren Sängerin, die sich wünschte Björk zu sein, aber doch nur den ein oder anderen dazu brachte, zu schauen, ob das die eigene Autoalarmanlage da draußen ist. Und da gab es den zypriotischen Beitragsunfall: Ein großbebrillter Jüngling, der etwas sang, was man wohl in der Wartezeit beim Hipster-Barbier komponiert. Man wollte ihm eine Bionade in die Hand drücken und ihn tröstend von der Bühne geleiten. Aserbaidschan hatte die seltsamste Tanzeinlage: Die Tänzer hatten wohl genau kurz bevor die Bodennebelmaschine eingeschaltet wurde, etwas am Boden verloren. Die belgischen Backgroundtänzer wiederum bekamen offenbar mittendrin Rückenschmerzen und legten sich zur Physiotherapie hin.

Der flotte Beitrag von Ehrengast Australien (Platz 5) zeigte ein bisschen die neue Entwicklung des Song Contests: Er war verdammt professionell. Vielleicht sogar ein bisschen zu professionell. Denn der Reiz am ESC ist die Freude am Unperfekten. Vielleicht wird der Eurovision Song Contest erwachsener. Er muss nur aufpassen, dass er nicht fad wird.

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"Maschinengewehrbaum, Nick Cave in Zuckerwatte, Männerbroschen,  Migräne und LSD für alle"....Die Wiener Zeitung berichtete live vom Song Contest.

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