Mans Zelmerloew (Schweden, r.) war diesmal so "unstoppable" wie 2014 Conchita Wurst. - © apa/Hochmuth
Mans Zelmerloew (Schweden, r.) war diesmal so "unstoppable" wie 2014 Conchita Wurst. - © apa/Hochmuth

Sie haben es gesagt. Alle drei. Im Chor. Und mit ihnen die ganze Halle.

Doch zuvor hat die Halle ein Event gesehen. Ein Event, das seinesgleichen sucht.

Und nicht nur die Halle, nein, die ganze Stadt war so anders. So tolerant und offen. Richtiggehend verzaubert war Wien. Jawohl, verzaubert von einer Fee aus einem unbekannten Land - mit extrem fragwürdigem Geschmack.

Wer sonst würde Kanaldeckel singen lassen? Da fragt man sich doch: Ist das noch eine Hommage? Oder will mir jemand mitteilen, dass hier bald die Scheiße zu klingen beginnt?

Egal, die Stadthalle ist bis zum letzten Platz gefüllt, die Bühne ist auf dem neuesten Stand, die Technik spielt alle Stückerln und das Stadthallenbad ist immer noch nicht fertig.

Aber da singt auch keiner.

Dafür beim ESC, dem Eurovision Song Contest. "Eurovision" heißt schon seit Jahren nicht mehr Eurovision, sondern Jurowischn. Und auch das Motto ist dieses Jahr international: "Building Bridges". Wow! Leider weiß keiner genau, wer welche Brücken wohin und worüber hinweg baut. Oder bauen soll. Oder so tun soll, als ob er oder sie oder es bauen würde.

Dafür ist es ein tolles Symbol für irgendwas. Und das ist, was der Jurowischn Song Contest kann. Kraftvolle Symbole aussenden. Kraftvoll und möglichst ungenau, damit man sich werbetechnisch gut einklinken kann.

Hier wird Natürlichkeit
in Phon gemessen

Und weil wir alle so unglaublich symbolisch und lässig sind, so tolerant und eh auch so, weißt eh, ist auch die Botschafterin für Toleranz, Bartwuchs und Dings ungefähr überall: Sie macht Werbung für Bank Austria, Mercure Hotels, Orf eins und den Life Ball, man findet sie sowohl in der "Krone" als auch im "Falter", in den "Seitenblicken" sowieso, und eigentlich ist es ein Wunder, dass sie nicht am Flughafen jeden ankommenden Besucher persönlich mit "You are unstoppable" aufs Laufband befördert.

Aber zurück in die Stadthalle. Da singt ein Wiener. Für Mazedonien. Ein Land, das knapp vor einem Bürgerkrieg steht. Deshalb hat er auch seine Leibwächter mitgebracht, die zusammen mit ihm auf der Bühne Rhythmusgymnastik machen. Nach dem Semifinale ist er aber nicht mehr dabei.

Vom Ausscheidungsprozess erster Ordnung bleibt Serbien verschont. Die "serbische Adele", eine pudelhaftige Sirene, eine Art Königin der Ewoks, darf die Stadthalle gleich zweimal mit ihrem Gesang erzittern lassen. Denn sie hat eine Botschaft. Die lautet: "Seid nett zu Dicken, sonst plärren sie Euch an." Ungefähr. Genaues weiß man nicht, dafür war es sehr authentisch. Denn, wenn sich jemand beim Jurowischnsongcondesd das Hirn rausbrüllt, ist das authentisch. Und echt. Und natürlich. Denn hier wird Natürlichkeit in Phon gemessen. Also schreit, Kinder, schreit, was ihr könnt!