Und sie können es: die Niederlande, Malta, Irland und sonst auch jede/r Zweite. Wer Pech hat, ist im Duo unterwegs und muss sich dann gegenseitig anschreien. Das alles hat die Leichtigkeit, den Witz und die Subtilität einer Aufführung von Wagners "Ring des Nibelungen" in einer Tiefgarage. Dafür darf auch Helene Fischer auftreten. Gleich dreimal. Einmal für Griechenland, bettelnd, einmal für Polen, sitzend, und einmal für Spanien, katholisch, inklusive Kostümwechsel von Heiliger zur Hure.

Russland dagegen schickt eine magersüchtige Celine Dion, Georgien eine Andrea Berg, die sich als Lily Munster verkleidet hat. Für Italien treten drei Frisuren an. Davon eine mit Brille. Aber auch die plärren gut.

Und das alles vor LED-Leinwänden voller virtueller Wasser, Monde, Bäume, Flügel, Wälder, Berge, Wölfe, Säulen und anderer Versatzstücke aus dem Abfallkübel der abendländischen, mystischen Symbolik für Arme.

Texte? Egal. Ayayay und Ouououou müssen reichen. Wer braucht Worte, wenn es Bilder und Geschrei gibt?

Und die Menschen schauen sich das an. Freiwillig. Von einer übermächtigen Marketing-Maschinerie zusammengetrieben, versammeln sie sich wie Herdenvieh vor Videowalls, auf denen das charmelose Treiben gezeigt wird. Ob in Schwaz in Tirol, in Bad Mitterndorf oder im Jurowischn Willädsch am Rathausplatz.

Überall heißt es "We are Songcontest!" und das steht für: "Ich gehe nicht wählen, dafür tu ich gern voten!" Ja, Party in der Postdemokratie! "A großer Heuriger" hätte der Herr Karl möglicherweise gesagt. Aber den kennt hier keiner. Dafür weint der Himmel.

Wir waren jetzt echt voll tolerant - ganze zwei Wochen

Aber man darf das nicht so eng sehen. Denn es ist ja lustig, wenn der Bürgermeister zur "Opening Ceremony" sein Englisch auspackt. Und dass die Veranstalterin, die Europäische Broadcasting Union, EBU, sich genau so abkürzt wie die Europäische Blindenunion, das ist ja auch irgendwie zum Schreien, oder? Wer gewonnen hat? Ähh . . . Schweden! Genau, letztes Jahr waren wir "unstoppable", jetzt sind wir "heroes". Eh. Kloa. Sicher.

Aber jetzt bitte fahrt wieder nach Hause. Alle! Denn wir waren jetzt echt voll tolerant. Ganze zwei Wochen. Wir haben jetzt sogar gleichgeschlechtliche Ampeln. Also bitte, das ist echt viel für uns. Deshalb: Servusciaobaba!

Und zum Abschied sagen wir auch gern noch einmal die Worte, die die drei Moderatorinnen im Chor, zusammen mit der ganzen Halle, so schön gesagt haben: "Goodnight, Europe!"