Paris. Nach nur wenigen Stunden Schlaf hat sich der neu gewählte französische Präsident Francois Hollande (PS) bereits um 10.00 Uhr in sein Wahlkampfquartier begeben, um sich mit seinen engsten Mitarbeitern auf sein Amt vorzubereiten. Nachdem der 57-Jährige bis spät in die Nacht an der Place de la Bastille seinen Sieg gefeiert hatte - den ersten eines Sozialisten seit 17 Jahren -, traf er am Vormittag in der Avenue de Segur mit seinem Wahlkampfleiter Pierre Moscovici und seinem Sprecher Manuel Valls, der gemeinsam mit dem PS-Fraktionssprecher in der Nationalversammlung, Jean-Marc Ayrault, als möglicher Premierminister gehandelt wird, zusammen.

Auf der Tagesordnung Hollandes stehen vor allem wirtschaftspolitische Fragen, insbesondere die versprochene erneute Verhandlung des europäischen Budgetpaktes. "Sofort nach seiner Amtseinsetzung", die für den 15. Mai anberaumt wurde, wird sich Hollande nach Angaben Moscovicis nach Deutschland zu Bundeskanzlerin Angela Merkel begeben. Beim nächsten EU-Gipfel Ende Juni will der Sozialist jene konjunkturpolitischen Maßnahmen durchsetzen, die er den Wählern zur Stärkung von Arbeitsmarkt und Kaufkraft versprochen hatte.

Was dagegen den amtierenden konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) anlangt, so plant er nach Indiskretionen aus seinem eigenen Lager einen endgültigen Rückzug aus dem aktiven politischen Leben. In einer Ansprache nach Bekanntgabe seiner Niederlage am Sonntagabend hatte der 57-Jährige bereits gesagt, dass er wieder ein "Franzose unter den Franzosen" werde. Im Unterschied zum Sozialisten Lionel Jospin, der nach seiner Niederlage im ersten Durchgang der Präsidentenwahl 2002 seinen Rückzug unmittelbar angekündigt hatte, ließ Sarkozy allerdings noch Zweifel offen, wenn er auch klarstellte, dass er die UMP-Liste bei den Parlamentswahlen vom kommenden Juni nicht anführen werde. Aus seinem Umkreis verlautete allerdings, dass es der 57-Jährige nicht wie Ex-Präsident Valery Giscard d'Estaing (1974-1981) machen werde, der seine politische Karriere nach seiner Wahlniederlage jahrelang fortgesetzt hatte.