Paris. In Frankreich läuft die europaweit mit Spannung erwartete Präsidentenwahl. In einer ersten Runde entscheiden die Bürger am Sonntag darüber, welche beiden der elf Kandidaten am 7. Mai in die Stichwahl einziehen. In Umfragen lagen vier Kandidaten bis zuletzt eng beieinander. Favoriten sind der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen. Der Linkskandidat Jean-Luc Melenchon, der ebenfalls EU-skeptische Positionen vertritt, und der konservative Ex-Ministerpräsident Francois Fillon lagen in letzten Umfragen rund vier Punkte hinter dem Führungsduo.

Wahlbeteiligung ähnlich wie 2012

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Die Beteiligung bei der Präsidentenwahl in Frankreich gestaltet sich bisher ähnlich wie vor fünf Jahren. Bis 17.00 Uhr waren 69,42 Prozent zu den Urnen gegangen, teilte das Pariser Innenministerium mit. 2012 waren es zu dieser Zeit mit 70,59 Prozent geringfügig mehr gewesen.

Die meisten Wahllokale sind diesmal bis 19.00 Uhr geöffnet, also eine Stunde länger als vor fünf Jahren. Manche Sprengel in großen Städten haben sogar - wie schon beim letzten Mal - bis 20.00 Uhr offen.

Hochrechnungen von Umfrageinstituten gingen aufgrund der angegebenen Werte von einer Gesamtbeteiligung um die 80 Prozent aus. Das Institut Ifop-Fiducial schätze sie auf 81 Prozent, während Harris Interactive von 78,5 Prozent ausging.

Warteschlangen in Berlin und London

Auch bei den Auslandsfranzosen in der EU war das Interesse groß: In Berlin und London bildeten sich vor den französischen Botschaften lange Schlangen. Als erste waren die Bewohner der französischen Überseegebiete bereits am Samstag zur Stimmabgabe aufgerufen.

Den Umfragen zufolge hat Macron die besten Chancen, in zwei Wochen zum Präsidenten gewählt zu werden, unabhängig davon, wer gegen ihn antritt. Doch Meinungsforscher mahnen zur Vorsicht. Noch hätte jeder der vier Führenden die Chance, in die zweite Runde einzuziehen. So holte zuletzt Ex-Ministerpräsident Fillon trotz der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau in den Umfragen leicht auf. "Es ist gibt nicht mehr die klassische Trennung zwischen links und rechts", sagte Jerome Fourquet vom Meinungsforschungsinstitut Ifop. "Macron präsentiert sich als Progressiver gegen Konservative, Le Pen als Patriotin gegen die Globalisierer."

Für Unsicherheit sorgt auch die große Zahl der Unentschlossenen: Knapp ein Drittel der Wähler wusste Umfragen zufolge bis zuletzt nicht, wie sie abstimmen würden. "Ich habe keine Ahnung, für wen ich stimmen werde", sagte die 60-jährige Pierrette Prevot in Paris. "Es ist eine Katastrophe. Ich gehe wählen, aber nur weil es meine Pflicht ist."

Finanzmärkte fürchten EU-Gegner

Insbesondere an den Finanzmärkten wird gefürchtet, dass es zu einer Stichwahl zwischen Le Pen und dem Linkspolitiker Melenchon kommen könnte. Le Pen lehnt den Euro ab und befürwortet die Rückkehr zu nationalen Währungen. Melenchon will ein Referendum über einen EU-Austritt abhalten lassen, sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere EU-Regierungschefs sich einem radikalen Kurswechsel weg von der Sparpolitik widersetzen. Außerdem befürwortet er einen Austritt aus der Nato.

Die EZB zeigte sich für alle Eventualitäten gerüstet. Ratsmitglied und Bundesbankpräsident Jens Weidmann sagte, man könne grundsätzlich davon ausgehen, "dass wir immer auf alles vorbereitet sind." Die Ratsmitglieder Ewald Nowotny und Ignazio Visco erklärten, die europäische Zentralbank könne bei Bedarf nach der ersten Runde französische Banken stützen. Er gehe aber nicht davon aus, dass dies notwendig sein werde, sagte Nowotny.


Auch der französische EU-Währungskommissar Pierre Moscovici gab sich gelassen. "Ich verstehe, dass das Szenario einer zweiten Runde zwischen Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon das Ausland sehr beunruhigt. Aber es ist unwahrscheinlich, dass einer von beiden Präsident wird", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).