Paris. Der europafreundliche frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, gehen in die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich. Die Kandidaten der etablieren Parteien sind durchwegs gescheitert - ein Novum in der jüngeren politischen Geschichte Frankreichs.

Laut französischem Innenministerium lag der sozialliberale Macron, Kandidat seiner eigenen Bewegung "En marche", nach Auszählung fast aller Stimmen bei 23,8 Prozent. Le Pen wählten 21,6 Prozent. Knapp dahinter lagen der Konservative Francois Fillon mit 20 Prozent und der Linkskandidat Jean-Luc Melenchon mit 19,5 Prozent.


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Um Le Pen zu blockieren, riefen Rechts- und Linkspolitiker zur Wahl Macrons auf. Umfragen zufolge dürfte der Mitte-Kandidat den zweiten Wahlgang am 7. Mai dank der sich nun formierenden breiten Unterstützung klar gegen Le Pen gewinnen. Der sozialistische Regierungschef Bernard Cazeneuve rief seine Landsleute auf, für Macron zu stimmen und dem Front National eine Niederlage zu bescheren.

Der konservative Kandidat Fillon gestand seine Niederlage ein und warb ebenfalls um Unterstützung für Macron: "Es gibt keine andere Wahl, als gegen die extreme Rechte zu stimmen." Der Linke Melenchon, der wie Le Pen für einen Austritt aus der Euro-Zone eintrat, wollte sich für die Stichwahl nicht öffentlich festlegen.

Gute Chancen für Macron

Es gibt auch schon Meinungsumfragen für die Stichwahl: Sie sehen den parteilosen Macron mit bis zu 64 Prozent vor Le Pen, die demnach bis zu 38 Prozent erreichen könnte.

"Arrogante Eliten"

Ganz anders sieht das Le Pen: "Die Franzosen müssen diese historische Gelegenheit ergreifen", betonte die Chefin des Front National am Sonntagabend. "Es ist Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen", betonte sie im nordfranzösischen Henin-Beaumont. Le Pen sagte, mit Macron, den sie als Erben des scheidenden sozialistischen Präsidenten Francois Hollande titulierte, werde sich nichts ändern: "Frankreichs Überleben steht auf dem Spiel."

Hollande gratulierte Macron in einem Telefonat zum Einzug in die Stichwahl. Der bei den Wählern unbeliebte Sozialist hatte auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichtet. Der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, Benoit Hamon, der nach Hochrechnungen nur auf rund sechs Prozent der Stimmen gekommen war, gestand am Sonntagabend seine Wahlniederlage ein und rief ebenfalls zur Unterstützung von Macron auf.