Hilfe von Dupont-Aignan

Doch Gewissheit gibt es nicht: Eine geringe Wahlbeteiligung könnte sich ebenso zu seinen Ungunsten auswirken wie die Reaktion Mélenchons, der sich zwar gegen Le Pen aussprach, aber nicht eindeutig für Macron.

Nicht zuletzt nutzt der 48-jährigen Rechtspopulistin die Unterstützung des EU-Kritikers Nicolas Dupont-Aignan, der mit seiner Bewegung "Debout la France" ("Aufrechtes Frankreich") 4,7 Prozent der Wählerstimmen erhielt. Waren die beiden Politiker bisher erbitterte Gegner, so verspricht Le Pen dem 56-Jährigen nun, ihn im Falle eines Wahlsieges zum Premierminister zu machen. Beide schlossen eine "patriotische und republikanische Allianz", in der sie unter anderem "wirtschaftlichen Patriotismus" fordern.

Mit enthusiastischen "Nicolas"-Rufen wird Dupont-Aignan als Vorredner in Villepinte gefeiert. "Es geht darum, Frankreich zu retten, es mit Ruhe und Entschlossenheit wieder aufzurichten", ruft er. "Das wird nur möglich sein, indem wir uns von diesem schlechten Gefängnis der EU befreien." Ein Satz in der gemeinsamen Erklärung ließ aufhorchen: "Der Übergang der Einheitswährung zu einer gemeinsamen europäischen Währung ist keine Vorbedingung für jede Wirtschaftspolitik, der Kalender wird an die unmittelbaren Prioritäten angepasst."

In einem Interview erklärte Le Pen entgegen ihrer bisherigen Forderung nach "monetärer Souveränität", Frankreich müsse nicht sofort die Euro-Zone verlassen; erst einmal werde mit der EU verhandelt. Angesichts einer Mehrheit der Franzosen, die gegen einen Euro-Austritt sind, ist diese Wende verständlich - und erstaunt doch. Bei ihrem Auftritt hält sich Le Pen aber nicht mit solchen Details auf, sondern konzentriert sich auf ihr Hauptthema: die Kritik am Gegner.

Macron sei die Verkörperung von Arroganz, das Gesicht der Finanzwelt und gehöre einer Oligarchie an, die Frankreich in den Ruin getrieben habe. "Er präsentiert sich als der neue Mann, dabei war er eine Schlüsselfigur in der Regierung unter Hollande", ruft sie, während Buh-Rufe ertönen. Gefährlich sei Macrons "radikale, extremistische Vision der EU", der sich der deutschen Kanzlerin unterwerfe, für "massive Immigration" und "ungezügelte Globalisierung" stehe. Und dann betreibe er noch die "Diffamierung der glorreichen Geschichte unseres Landes": Macron hatte nicht nur die Kolonialisierung Frankreichs als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" kritisiert, sondern mit einem Besuch bei der Shoah-Gedenkstätte und einer Hommage an Brahim Bouarram Zeichen gesetzt - der Marokkaner war 1995 am Rande einer Kundgebung von Jean-Marie Le Pen von Rechtsradikalen in die Seine gestoßen worden und starb.