Generell seien die Franzosen ihren Berufspolitikern überdrüssig, so Foucault. So verpassten die Vertreter der beiden traditionellen Volksparteien erstmals den Einzug in die Stichwahl - ein Erdbeben der politischen Landschaft. Gerade einmal zwölf Prozent vertrauen Parteien, auch die Medien erscheinen nur 22 Prozent der Menschen noch glaubwürdig.

Viele Linke werden
sich der Stimme enthalten

Einerseits sei Marine Le Pen die "Normalisierung" des Front National gelungen, der künftig wie jede andere Partei behandelt werde. Rund 40 Prozent sagen ihr die Umfragen voraus. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen wurde 2002, als er überraschend die zweite Wahlrunde erreichte, von einer großen Mehrheit heftig abgelehnt - er schaffte nur 18 Prozent. Nun aber hat sogar der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon eine Wahlempfehlung "zwischen extremer Rechter und Neoliberalismus" verweigert, sodass sich wohl viele seiner Anhänger enthalten oder einen leeren Stimmzettel abgeben werden.

Andererseits, so Foucault, zeige der rasante Aufstieg Macrons, der noch nie in ein politisches Amt gewählt wurde und vor drei Jahren weitgehend unbekannt war, den Wunsch nach Erneuerung. Allerdings ist er weit davon entfernt, Begeisterungswellen auszulösen. Fast die Hälfte der Wahlberechtigten finden Macron unsympathisch, 60 Prozent jener, die ihn wählen wollen, tun das nicht aus Überzeugung für Macron, sondern, um Le Pen zu verhindern. Das gilt auch für Sonia und die Bewegung "LePenNON": Man müsse keine "Macronistin" sein, um eine rechtsextreme Präsidentin verhindern zu wollen.