Paris. Unmittelbar vor der morgigen Präsidentenwahl in Frankreich sorgt ein massiver Hackerangriff auf den Favoriten Emmanuel Macron für Unruhe. Die Angreifer hätten die gestohlenen Emails, Dokumente und Daten zur Finanzierung der Kampagne direkt vor Wahlkampfschluss ins Netz gestellt, so dass sich nun kein Politiker mehr dazu äußern dürfe, kritisierte das Team des unabhängigen Kandidaten.

Die Wahlkommission rief Bürger und Medien am Samstag dazu auf, die erbeuteten Daten nicht zu veröffentlichen und auch nicht in sozialen Netzwerken zu teilen, um die Wahl nicht zu beeinflussen. Macron geht am Sonntag als Favorit in die Stichwahl gegen die rechtsextreme Marine Le Pen. In letzten Umfragen lag der Linksliberale 24 Prozentpunkte vor der Kandidatin des Front National.

Hacker stellten Daten ins Netz

Ein Nutzer mit dem Pseudonym EMLEAKS hatte am späten Freitagabend bis zu neun Gigabyte Daten auf die Seite Pastebin heraufgeladen, die das anonyme Teilen von Informationen erlaubt. Wer sich hinter dem Spitznamen verbirgt, war zunächst unklar. Die Wahlkommission warnte nach einer Krisensitzung, die Daten seien auf betrügerischem Wege erlangt worden und könnten mit Fehlinformationen durchsetzt sein. Wer sie veröffentliche, könne sich strafbar machen.

Die französischen Medien gingen mit der Attacke unterschiedlich um - die linksgerichtete Zeitung "Liberation" berichtete darüber an prominenter Stelle, während manche Nachrichtensender sich entschieden, das Thema gar nicht zu erwähnen. Die Zeitung "Le Monde" schrieb auf ihrer Homepage, sie werde keine Inhalte der gehackten Daten vor der Wahl veröffentlichen. Angesichts der Menge an Material sei eine sorgfältige Berichterstattung darüber in der Kürze der Zeit nicht möglich. Zudem seien die Dokumente 48 Stunden vor dem Urnengang mit der klaren Absicht veröffentlicht worden, die Wähler zu beeinflussen. "Sollten diese Dokumente Enthüllungen enthalten, wird 'Le Monde' sie nach gründlicher Prüfung natürlich veröffentlichen - im Einklang mit unseren journalistischen und ethischen Standards und ohne uns vor den Karren anonymer Akteure und ihres Zeitplans spannen zu lassen."

"En Marche" spricht vom Versuch die "Demokratie zu destabilisieren"

Macrons Bewegung "En Marche" kritisierte die Cyber-Attacke als einen Versuch, den Politiker zu diskreditieren und die Demokratie zu destabilisieren. Die echten Daten seien zusammen mit fingierten Dokumenten online gestellt worden, um "Zweifel zu säen und Fehlinformationen zu streuen".