Paris. Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron hat die Stichwahl im rennen um das Präsidentenamt klar gewonnen. Ersten Hochrechnungen zufolge gewinnt der Parteilose gegen seine rechtsextreme Kontrahentin Le Pen. Demzufolge erhielt Macron 65,8 Prozent und Le Pen 34,2 Prozent. Macron wird damit jüngster Präsident in der Geschichte des Landes. Die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Francois Hollande wird er spätestens am kommenden Sonntag antreten. Er plant sozialliberale Reformen in Frankreich und will die Zusammenarbeit in der EU und in der Eurozone vertiefen. Ob er auch eine Regierungsmehrheit bekommt, wird sich erst bei der Parlamentswahl im Juni entscheiden.

Macron hat sich indessen optimistisch über die Zukunft seines Landes geäußert. Er sagte am Sonntagabend, mit seinem Sieg in der Stichwahl öffne sich "ein neues Kapitel" - das "der Hoffnung und der wiedergewonnenen Zuversicht". Le Pen hatte zuvor dem parteilosen Wirtschaftsliberalen zu seinem Sieg gratuliert. Frankreich habe am Sonntag für Kontinuität gestimmt, meinte die Front-National-Chefin am Abend. Das Land sei gespalten zwischen Patrioten und Globalisierern.


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Auch will er die tiefe Spaltung des Landes überwinden. "Ich kenne die Wut, die Angst und die Zweifel" der Franzosen, sagte der 39-Jährige am Sonntagabend in Paris. Sein Ziel sei es, "die Einheit der Nation zu sichern" und die Bürger wieder mit Europa auszusöhnen.

Macron sagte, er habe "Respekt" gegenüber allen Bürgern, die für die Rechtspopulistin Marine Le Pen gestimmt oder sich enthalten hätten. Er werde gegen alle Dinge kämpfen, die Frankreich entzweiten. Seine kurze Ansprache trug Macron mit ernstem Gesicht vor. Er hatte die Wahl mit mehr als 65 Prozent der Stimmen gewonnen.

Der Anteil der ungültigen Stimmen erreichte allerdings mit 12 Prozent einen Rekordwert, wie die Zeitung "Le Monde" berichtete. Niedriger als beim ersten Mal war auch die Beteiligung mit geschätzten 75 Prozent (2012 betrug diese in der Stichwahl noch 80 Prozent). Vor allem Unterstützer der Linken hatten sich in sozialen Medien für eine Enthaltung oder einem ungültigen Votum stark gemacht, da sie die wirtschaftsliberalen Ideen Macrons ebenso ablehnen wie die Ausländerfeindlichkeit Le Pens.