Vor einem halben Jahr hätte man diese Entwicklung eigentlich kaum vorhersehen können. Wladimir Putin war auf der Gewinnerstraße.

Ja, aber Frankreich ist einer der wichtigsten Wirtschaftsräume der EU und als Präsident sollte man einen diplomatischen Dialog mit Russland suchen und niemand möchte einen Konflikt mit Putin provozieren. Trotzdem gibt es diese Doppelstrategie: Auf der einen Seite hält die EU Russland auf Abstand und will, dass es sich auf internationaler Bühne "benimmt" und auf der anderen Seite setzt man auf Dialog. Sowohl Angela Merkel als auch Emmanuel Macron unterstützen den Dialog, aber die russischen Einmischungen in den letzten Monaten waren nicht gerade vorteilhaft für Russland.

Es stehen heuer noch weitere Wahlen an: Möglicherweise die Nationalratswahlen in Österreich, aus denen die FPÖ sehr stark hervorgehen könnte, und die Bundestagswahlen in Deutschland am 24. September. Besteht erneut die Gefahr von Manipulation aus Russland?

Vor den deutschen Wahlen sind bestimmt weitere Wikileaks-Veröffentlichungen zu erwarten. Ich glaube sogar, dass die Hacker bereits aktiv waren und die Daten vor den Wahlen ins Netz stellen werden. Ein weiterer Fokus der Kreml-Strategie und Einmischung in europäische Wahlen wird es sein, die russisch sprechende oder Russland-affine Bevölkerung und Internetnutzer in Deutschland über Progagandakanäle wie RT und Sputnik gegen Angela Merkel zu mobilisieren. Man muss woanders ansetzen, denn die AfD hat keine Chance mehr, um der CSU/CDU so viele Wählerstimmen abzuluchsen, dass es weh tut.