Sorge der Ärzte: Vertrauensverlust

Eine große Sorge - vor allem der Hausärzte - ist die Codierung von Diagnosen, Prozeduren und Maßnahmen. Früher oder später wird eine solche Codierung kommen und die Ärzte befürchten, dass durch solche Standardisierungen die Beziehung zwischen Arzt und Patient verloren geht. "Es wird immer mehr Zeit auf bürokratische Zwecke verwendet. Die Behandlungszeit und das Gespräch werden immer weiter verkürzt", kritisiert Hausärztevertreter Geppert.

Dahinter verbirgt sich aber auch die Sorge um die immer schlechter werdende Leistungsabrechnung mit den Krankenkassen. Auch diese Honorarkataloge sind völlig unstandardisiert und bedürfen ohnehin einer dringenden Überarbeitung. Am Ende wird sehr wahrscheinlich ein Leistungskatalog für alle stehen - was die Befürchtungen der Ärzteschaft nicht verkleinert.

Im Zuge der Implementierung von Elga wird auch die E-Medikation eine zentrale Rolle spielen. Allerdings haben Pilotversuche hier korrigierend gewirkt. Sollte ursprünglich mit der Auflistung der Medikamente auch eine automatische Wechselwirkungskontrolle durchgeführt werden, wurde davon am Ende abgesehen. Zwar werden die Medikamente aufgelistet, die Wechselwirkung überprüft aber der behandelnde Arzt.

Experte sieht Elga als "Globallösung"

"Wir bräuchten Elga in dieser Vollständigkeit gar nicht, wenn wir es geschafft hätten, Register für bestimmte Krankheitsbilder zu schaffen", sagt Gesundheitsökonom Ernest G. Pichlbauer. Aber selbst das Herzschrittmacherregister sei häufig unvollständig, weil nicht alle pflichtgetreu eintragen würden. Es gebe hinter all den Behandlungsregistern keine Strategie. "So gesehen, ist Elga die Globallösung, mit der Defizite abgebaut werden und die Kommunikation aller Beteiligten erheblich verbessert werden kann."

Ungemach könnte der Implementierung von Elga, die bis 2108 geplant ist, von zwei laufenden Beschwerden drohen. Der Wiener Kassenarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Alfred Pixner, hat beim Verfassungsgerichtshof einen Antrag auf Aufhebung des Elga-Gesetzes eingebracht. Pixner begründet den Antrag vor allem mit dem Eingriff in das Datenschutzrecht sowie in die Privatsphäre, analog zur aufgehobenen Vorratsdatenspeicherung. Und der Tiroler Mediziner Maximilian Ledochowski hat einen negativen Bescheid im Zusammenhang mit der Abmeldung von Elga erhalten und ruft den Verwaltungsgerichtshof (VwGH) an.