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Wien. Oberstes Ziel der Gesundheitsreform ist eine qualitätsgesicherte, effektive und vor allem effiziente Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung. So hieß es zumindest von Bund, Ländern und Sozialversicherung, als sie sich 2013 auf ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem einigten. Doch die Bevölkerung scheint dieser Einigkeit nicht ganz zu trauen. Glaubt doch fast ein Drittel (31 Prozent), dass die Reform zu einer Kürzung von Leistungen führen wird.

Das hat eine GfK-Umfrage unter Österreichern ab 15 Jahren im Auftrag des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger ergeben. Positiv wird gesehen, dass sich durch die Reform die Abstimmung zwischen Spitalsambulanzen und niedergelassenen Ärzten verbessern könnte (das glauben 42 Prozent). 32 Prozent hoffen, sich unnötige Wege zu ersparen.

Die Leistungskürzungen werden indes vor allem in einem Punkt befürchtet: 28 Prozent vermuten, dass infolge der Gesundheitsreform Spitäler zusammengelegt und geschlossen werden.

Hans Jörg Schelling, der Vorsitzende des Hauptverbandes, beruhigt: Sobald das Ziel der Entlastung der Spitalsambulanzen erreicht sei, gingen Ärzte aus den Spitälern in den niedergelassenen Bereich - was einem Ärztemangel entgegenwirken würde. Aktuell gibt es laut Schelling zwar genug Ärzte, sie seien aber auf die Städte konzentriert. Das Land sei unterbesetzt.

Fast schon wie ein Allheilmittel gegen sämtliche Probleme wird als Zugpferd der Gesundheitsreform die Neuordnung der Primärversorgung präsentiert, dessen Konzept am 30. Juni von Vertretern von Bund, Ländern und Sozialversicherung einstimmig beschlossen worden ist. Hintergrund des Modells ist, dass die Patienten von den teuren Spitalsambulanzen zu wohnortnahen Gruppenpraxen verlagert werden. Eng damit verknüpft ist die flächendeckende Umsetzung der - vor allem wegen Datenschutzbedenken umstrittenen - Elektronischen Gesundheitsakte Elga.

Hier setzt allerdings die Kritik der Ärzte an. Die Einführung eines unausgereiften Elga-Systems werde dafür sorgen, dass sich niedergelassene Ärzte noch mehr mit dem Computer statt mit ihren Patienten beschäftigen werden, heißt es aus der Ärztekammer.

Demgegenüber wird die neue Primärversorgung gerade damit beworben, dass sich alles um den Patienten dreht. Ganze Teams aus Ärzten, Krankenschwestern und Therapeuten sollen sich um diesen kümmern. Funktioniert das aufgrund der regionalen Gegebenheiten nicht - etwa auf dem Land -, sollen die Gesundheitsberufe zumindest vernetzt werden.

"Primary Health Care" ist die Fachbezeichnung für diese neue Art der Primärversorgung. Auch in diesem Punkt wurden die Erwartungen der Bevölkerung von der GfK abgefragt. Die Hälfte konnte mit dem Begriff allerdings noch nichts anfangen. Ein Drittel erwartet sich durch die Gruppenpraxen eine Verbesserung.

Der Hausarzt als Drehscheibe

Die Idee, dass diese multidisziplinären Teams von je einem Hausarzt koordiniert werden, scheint dann aber doch wieder im Sinne der Patienten zu sein. Denn aus der Umfrage geht hervor, dass 93 Prozent einen Haus- oder Vertrauensarzt haben, von dem sich 41 Prozent erhoffen, dass er mehr Zeit für Gespräche hat. Ganz oben auf der Wunschliste stehen auch längere Öffnungszeiten.

Diese würden durch "Primary Health Care" ebenfalls gewährleistet, sagte Schelling, wies aber gleichzeitig auf die noch ungelösten Probleme hin. So müssten etwa im Bereich der Haftung legistische Maßnahmen gesetzt werden. Denn wenn mehrere Menschen einen Patienten behandeln - wer übernimmt die Verantwortung, wenn etwas schiefläuft? Auch die Frage der Honorierung ist ungeklärt. Soll es Kopfpauschalen pro Patient, Fallpauschalen, Einzelleistungsvergütung oder "Pay for Performance" (Bezahlung für das Erreichen bestimmter Ziele) geben? Spätestens bis Herbst will Schelling diese Fragen geklärt haben. Denn schon 2015 sollen Pilotprojekte starten. (Artikel vom 16.7.2014)